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Wenn Kunst aus dem Rahmen fällt

Am 11. Juni 2009 in Frankfurt: Im Kaminzimmer des Liebieghauses sind die letzten Krümel des Impressionisten-Frühstücks zu sehen. Auf einer langen Tafel liegen eine deutlich benutzte Tischdecke, ausgetrunkene Kaffeetassen, Reste von Marmelade, Kaffeeflecken, Erdbeeren und Kuchen. Das 130 Jahre alte Silberbesteck ist noch vollzählig, aber von den 30 Croissants ist keine Spur mehr übrig. Spaß hat es gemacht und die Grammophon-Musik war eine gute Idee. Zu dem abgegrasten Tisch und den letzten Resten gehören noch Pascal und Lisa, die um 16 Uhr den Frühstückstisch (!) abräumen. Schade nur, dass das Wetter mehr als mies war und das Frühstück im Freien deswegen vom Mainufer ins Kaminzimmer ausweichen musste.

Das Frühstück war die Anschlussveranstaltung nach einer Führung zu den Impressionisten im Städel Museum. Die Maler hatte es seinerzeit mit Leinwand, Pinsel und Farbe in die Natur und die Pariser Cafés getrieben, und hier haben sie viele Alltagsszenen – darunter zahlreiche Frühstücksbilder – auf der Leinwand festgehalten. Um die lockere und entspannte Stimmung der Bilder nachempfinden zu können und selbst umzusetzen, was sie in der Führung gehört hatten, trafen sich nach der Führung zwanzig junge Kunstfreunde zum ausgiebigen impressionistischen Frühstück.

Impressionen aus dem Städel

Impressionen aus dem Städel

Kunst entdecken

Lisa und Pascal organisieren und betreuen das neue Angebot Städelclub 20 up in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand. Das Programm ist vielseitig, lebendig, studentisch und richtet sich an alle jungen Frankfurter und „Zugereisten“ zwischen zwanzig und dreißig Jahren, die Interesse an Kunst haben. Dabei gilt es, Kunst zu entdecken, darüber zu diskutieren, sehen zu lernen und hin und wieder hinter die Kulissen zu schauen. Die besondere Attraktivität des Programms entsteht auch dadurch, dass Lisa und Pascal selbst Studenten der Kunstgeschichte in Frankfurt sind und so einen studentisch-lockeren Blickwinkel auf die Kunst bieten. Dieser Blickwinkel kann dann neben dem Impressionisten-Frühstück auch eine Feuerzangenbowle sein oder zu einer Exkursion auf die mittelalterliche Ronneburg werden. Durch die freieren Gestaltungsmöglichkeiten und den Clubcharakter ergänzt das Angebot das Veranstaltungsprogramm des Städel Museums und des Liebieghauses.

Beide Museen bieten den jungen Kunstfreunden mit ihren renommierten  epochenübergreifenden Sammlungen und zahlreichen Ausstellungen eine riesige Spielwiese. Es werden aber auch Kunstevents außerhalb der zwei Häuser angeboten: Die Kuratorin Dr. Sabine Runde führt Städelclub 20up zum Beispiel in der Ausstellung Rays of Light im Museum für Angewandte Kunst, und im September fährt Städelclub 20up zu einer Taschenlampenführung durch Blickachsen 7 nachts im dunklen Bad Homburger Kurpark und schaut sich zeitgenössische Skulpturen an.

Die Veranstaltungen enden aber nicht mit dem Museumsbesuch, sondern der Trupp junger Kunstfreunde trifft sich hinterher immer in einer Bar. In der Sommerzeit klingt die Führung meist auf der Mainwiese am Maincafè oder in einer Sachsenhäuser Kneipe aus. Meist sitzen die Mitglieder an lauen Sommerabenden noch lange am dunkeln Flussufer mit Blick auf die Skyline. Dabei stellen sie oft fest, dass sie, obwohl sie aus ganz unterschiedlichen beruflichen Bereichen, Studiengängen und Heimatorten kommen, dennoch viele Gemeinsamkeiten verbinden. Ein persönlicher Austausch ist eben viel reizvoller, als einer in der virtuellen Welt. Dabei steht der Spaß an der Kunst und der angenehmen Gesellschaft im Vordergrund.

Führung des "Städelclub 20up"

Führung des „Städelclub 20up“

Spaß haben auch Lisa und Pascal bei der Gestaltung des Programms: „Es ist spannend zu sehen wie die Gruppe wächst und an Kontur gewinnt, es macht Freude, den im Studium erworbenen wissenschaftlichen Hintergrund zu nutzen, um interessante Programmpunkte zu entwickeln und an aktuelle Ausstellungen anzuknüpfen. Außerdem gibt es eine direkte Rückmeldung beim anschließenden Treffen mit den Clubmitgliedern. Vom persönlichen Erkenntnisgewinn ganz zu schweigen. Wir lernen bei den Führungen auch immer dazu“. Die studentischen Organisatoren verbinden die Events thematisch miteinander. So schaut sich Städelclub 20up zum Beispiel höfische Kunst des Mittelalters im Städel an und fährt später auf die mittelalterliche Ronneburg um sich anzusehen, in welchem Zusammenhang die höfische Kunst überhaupt entstanden ist. Wenn dann zusätzlich im Kamin der Burgküche extra für den Club ein offenes Feuer angezündet wird, entsteht als Höhepunkt eine Atmosphäre, die das besondere Programm von Städelclub 20up auszeichnet.

Junge Kunstfreunde in Frankfurt

Mit dem jungen Angebot ergänzt der Städelsche Museums-Verein eine lange Tradition: Seit 1899 unterstützt er die Museumsarbeit an Städel und Liebieghaus mit bürgerschaftlichem Mäzenatentum in Frankfurt. Um auch jüngere Leute an das Museum zu binden und für die Kunst zu begeistern wurde 2003 der Städelclub für Mitglieder zwischen 30 und 40 Jahren ins Leben gerufen. Mit einem umfassenden Programm richtet er sich an alle, die Spaß daran haben, sich in der Freizeit aktiv mit Kunst auseinanderzusetzen und neugierig auf Themen jenseits der Berufswelt sind. Bisher nutzen über 600 Mitglieder zwischen 30 und 40 dieses Netzwerk rund um die Kunst. Das neue Format Städelclub 20up ergänzt das bestehende Clubprogramm um Kunstevents für die Leute zwischen 20 und 30.

Deutschlandweit haben sich in den letzten Jahren an Museen viele junge Freundeskreise gegründet, die im Rahmen der Bundesinitiative Junge Freunde Kunstmuseen regelmäßig ihre Erfahrungen und Ideen austauschen. Bisher war die Initiative zwar mit dem Städelclub, aber noch nicht mit einem Angebot für die Zielgruppe der Studenten, Azubis und Berufseinsteiger in Frankfurt vertreten. Diese Lücke schließt Städelclub 20up als Bestandteil des bereits bestehenden Angebots.

Impressionisten Frühstück im Kaminzimmer des Liebieghauses

Impressionisten Frühstück im Kaminzimmer des Liebieghauses

Seit April bietet dieser nun sein Programm an. Mittlerweile hat sich ein fester Besucherstamm aus Gästen und Clubmitgliedern zusammengefunden, die die Vermittlung von fundierten Inhalten in unterhaltsamer Atmosphäre ebenso schätzen, wie das gemeinsame Ausgehen danach. Und auch für den Herbst haben Lisa und Pascal Veranstaltungen geplant, die die Kunst aus dem Rahmen fallen lassen. Einer der Höhepunkte wird sein, nach einer Führung zu italienischer Kunst im Städel den Abend im mediterranen Flair des Frankfurter Gartens Nizza am Mainufer bei Antipasti, Rotwein und Fackeln unter Palmen ausklingen zu lassen. Und natürlich ist jeder, der Lust an solchen Veranstaltungen hat, eingeladen teilzunehmen.

Nähere Informationen unter www.staedelclub.de

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