artefakt versteht sich als kunsthistorische Zeitschrift, die gerne auch Artikel mit interdisziplinärem, bildwissenschaftlichem oder globalem Ansatz publiziert. Innovative Ideen und kreative Ansätze sind gefragt.

„Film Poems“ und Mainstream. Curtis Harrington an der Schwelle zum kommerziellen Film

Wenn Regisseure den Sprung vom Underground zum Mainstream schaffen, stellt sich ein gewisses Misstrauen ein, ob durch die Anpassung – oder gar Anbiederung – an den Massengeschmack und mithin an den Markt, die vormals radikalen ästhetischen Positionen verwässert werden. Vor David Lynch und David Cronenberg haben bereits andere Filmemacher diesen Schritt gewagt: Der amerikanische Regisseur Curtis Harrington versuchte in den 1960ern den Underground zu verlassen, und wurde von der Kritik dafür gegeißelt. Aber was unterscheidet einen Avantgardefilm vom Mainstreamkino und lässt sich eine derartige Grenze ziehen?

Persuasive Strategien des Lichtgraffitis
Ein Essay

Obwohl die Fotografie 150 Jahre nach ihrer Entdeckung schon längst und seit Banksy auch das Grafitti zur High-Art zählen, bleibt das gemeinsame Kind – das Lichtgraffiti – derzeit noch dem Low verhaftet und wird im wissenschaftlichen Diskurs bislang ausgespart. Dieser jedoch gar nicht so neuen Form der Bildfindung widmet sich Pierre Smolarski in seinem Essay und untersucht das Zusammenspiel von Licht, Bewegung und Zeit in Bezug auf das Genre des Superhelden-Comic.

Die Bildunterschrift und das Photographische
Versuch über einen Text-Bild-Bezug am Beispiel von Alexander Kluges „Schlacht-beschreibung“

Trotz der ca. 150 Jahre Bilderfahrung gilt eine Fotografie heute noch als gültige Referenz für jegliche Information. Das spannungsreiche Verhältnis von bildimmanenter und mittels Bildunterschriften beigefügter Bedeutung analysiert Thomas Schmidt am Beispiel von Alexander Kluges „Schlachtbeschreibung‟.

Die Kunst der Populärmusik. Tonträger als künstlerisches Medium
„The Velvet Underground & Nico produced by Andy Warhol“

Eine Banane mit der nebenstehenden Aufforderung „Peel slowly and see“ und ein Künstlername zieren das Cover der Schallplatte von The Velvet Undergound & Nico: Mit der Gestaltung und vorgeblichen Produktion dieses Albums kratzte Andy Warhol 1967 an der bis dato unangefochtenen Distinktion von Popmusik und deren Kunstanspruch. Der Frage danach, inwieweit jedoch die Popmusik damit selbst zum Kunstgegenstand wurde, geht Anna Braun nach.

Innovation durch Adaption
Formfindung bei Herzog & de Meuron

Zeitgenössischen Stararchitekten wird oft vorgehalten, sie hinterließen überall ähnliche Gebäude, vergleichbar einem Markenzeichen. Katharina Knacker stellt mit Herzog & de Meuron ein Schweizer Architektenduo vor, bei dem dies offenbar anders ist und geht der Frage nach, wie es den beiden gelingt, sich immer wieder neu zu erfinden.

Die „moderne Tragödie“
Mechanismen der Inszenierung von Märtyrerbildern am Beispiel des gewaltsamen Todes Carlo Giulianis beim G8-Gipfel in Genua

Im säkularen Kontext erscheint die Figur des Märtyrers häufig nur noch als eine Art atavistische Pathosfloskel. So wurde etwa der jüngst verstorbene Senator Ted Kennedy im amerikanischen Fernsehsender CBS als Märtyrer für Obamas Gesundheitsreform bezeichnet: „a martyr because of all that he’s done and he very well might help, in death, Obama get his health care plan.“ In seinem Aufsatz geht Michael Isenberg der Frage nach, ob und unter welchen Voraussetzungen eine strukturell ernstzunehmende, säkulare Interpretation des Märtyrerbegriffs denkbar ist.

Menschen-Bilder
Zum Tod des Bildhauers und Grafikers Alfred Hrdlicka

In wuchtige Marmorblöcke meißelte Alfred Hrdlicka Darstellungen berühmter und weniger bekannter Figuren, die eines gemein haben: Sie leiden, begehren und sterben. Hrdlickas Kunst war mit viel Leidenschaft dem Existentiellen auf der Spur, während die postmoderne Selbstgefälligkeit ihn zornig stimmte. Jetzt ist Alfred Hrdlicka im Alter von 81 Jahren am 5. Dezember in Wien gestorben. Hannes Fernow wirf einen Blick auf die Inhalte seines Schaffens.

Visualisierung des Kriegserlebnisses
Das "Selbstbildnis als Mars" von Otto Dix und die Kriegszeichnungen 1915-1918

Brutalität und Zerstörung, Kampfgeist und Kameradschaft – um Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz zu erfahren, war Otto Dix erwartungsvoll in den Krieg gezogen. Seine Eindrücke dieses Geschehens hielt er in zahlreichen Zeichnungen und Gemälden fest, anhand derer Friederike Voßkamp das Verhältnis des Künstlers zum Krieg und seinen Weg von verklärter Begeisterung hin zur Ernüchterung untersucht.

Symbole der Mystik und Magie der Wüste
Zu den Lederarbeiten der Tuareg

Mystik und Spiritualität prägen den Glauben und das Leben der Tuareg-Nomanden. Wie auch die Kunst dieses Volkes vom Glaube an Magie, Naturmystik und der Vermischung verschiedenster Kulte mit dem Islam inspiriert wird, zeigt Hanna Sotikiewicz. Anhand des Beispieles eines Sattels sollen Ikonografie und Semiotik der Kunstgegenstände des Wüstenvolkes analysiert werden.

Superschweizer?
Zur kulturellen Identität im Werk von Fischli/Weiss

Die Schweizer sind für ihr Eigenbrötlertum bekannt. Als typisch schweizerisch gilt auch das Werk von Peter Fischli und David Weiss. Im Vergleich mit der Kinderbuchfigur Globi soll die „Swissness“ und deren Manifestation untersucht werden.

Et in Arcadia ego
Ferdinand Hodler und Valentine Godé-Darel

Ob Kriegsopfer in Afghanistan oder gefallene Popstars, die postmortal einstige Höhen wieder erklimmen – der Tod ist immer anwesend und der Mensch zur Auseinandersetzung gezwungen. In beeindruckender Weise zeigte Ferdinand Hodler in seinem Bilderzyklus seine sterbende Geliebte Valentine Godé-Darel, wehrte sich so gegen die allgegenwärtige Macht des Todes und setzte seinem Modell ein Denkmal.