Alle Artikel mit dem Schlagwort: #selfie

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Schämst Du Dich noch oder postest Du schon? Über Kunst und Scham im Internet

Was haben Selfies mit Feminismus und Kunst zu tun? Nichts? Stimmt nicht! Im Marta Museum in Herford ist gerade die Ausstellung „Die Innere Haut. Kunst und Scham“ zu sehen. Anika hat aufgeschrieben, wann sie sie schämt, wann sich Netzkünstlerinnen wie Molly Soda schämen, was sie dagegen tun und wie ein weiterer Raum in der Ausstellung aussehen könnte, der die Geschichte von Kunst und Scham bis zum Kampf um Akzeptanz aller Körperformen in der Gegenwart erzählt. (tl;dr: Der Feminismus hat es schwer, feministische Netzkünstlerinnen haben es noch schwerer, oder umgekehrt, Body Shaming ist schlimm, Selfies sind noch schlimmer, nicht.)

Gefährliche Selfies – sichere Klicks

Der Generation Instagram reicht der Blick in den Spiegel nicht mehr aus. Sie will mehr. Und sie riskiert dabei immer mehr. Selfies sind populärer denn je, sogar Barack Obama wurde schon mit einem Selfie-Stick gesichtet. Aber wie sieht es aus, wenn Fotografen und Künstler das Massenphänomen Selfie negieren oder mit der übersteigerten Selbstwahrnehmung arbeiten?   Schon früh bekommen wir beigebracht, von Fremden nichts anzunehmen. Als ich auf der Praterstraße in Wien spazierend gerade in ein Brötchen biss, stellte sich mir die Frage gar nicht erst, ob ich nach der Zeitung greifen sollte, die mir zur kostenlosen Mitnahme angeboten wurde. Ich hatte keine Hand mehr frei. Ein Blick auf den Titel der Zeitung ließ mich allerdings schnell mein Käsebrötchen einpacken und selbige, freundlich mit dem Kopf nickend, entgegennehmen. Der Kurier, die – nach eigenen Angaben – unabhängige Tageszeitung für Österreich, titelte am 22. September: „Tödliche Selfies. Unfälle. Mehr Tote beim Fotografieren als durch Haiattacken.“ Ja, das ist nicht schön. Nichts davon. Haie gelten gemeinhin, darüber gibt Wikipedia Auskunft, als kaltblütige Killer und Menschenfresser. Und das obwohl …

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Wolkenkitsch und Knöllchen. Die „Globale“ im ZKM Karlsruhe

Die Anspielung ist sofort klar. Spätestens, wenn die Besucher ihre Smartphones zur Hand nehmen, um ein Foto zu machen. Das Bild hat man schon irgendwo gesehen. Der japanische Architekt Tetsuo Kondo hat zwei Lichthöfe im Zentrum für Kunst und Medientechnologie mit Nebel gefüllt, und das Ergebnis erinnert an Caspar David Friedrichs Der Wanderer über dem Wolkenmeer. Genauso klar ist auch, dass die Anspielung aufs Kantische Erhabene längst ein Klischee geworden ist. Die Globale hieße aber nicht so, wenn hier kein totales Kunsterlebnis am eigenen Körper erfahrbar wäre. Und so kann man bei 40 Grad in der Halle schwitzend durch eine Wolke aus Trockeneisnebel eine Holzrampe hochsteigen, um schließlich von oben drauf zuschauen, genau wie Friedrichs Wanderer im Gebirge: als Mensch, überwältigt vom Naturschauspiel, das die künstlerische Form sprengt. Nur findet man das Erhabene viel öfter im Museum. Die Wolke wird von unterschiedlich temperierten Luftschichten in ihrer Position gehalten. Unten ist die Luft kühler, oben ist sie warm, und dazwischen schwebt die Wolke. Nett also, das Sublime in den beiden leergeräumten Ausstellungshallen des ZKM selbst zu …