Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kunstkritik

Neben unserer allgemein gefassten Rubrik „Kunsthistoriker im Gespräch“, die unterschiedliche Betätigungsbereiche für Kunsthistoriker vorstellt, möchten wir in diesem Special das Arbeitsfeld der Kunstkritik näher beleuchten. Hier soll diskutiert werden, was die Aufgaben einer Kunstkritik sind, welche Anforderungen die Kritik an die Kritiker stellt oder weshalb Kunst kritisch betrachtet werden sollte.

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Gartenzwergidyll mit Goethe. Ottmar Hörl in Frankfurt

Seit einigen Tagen sind Studierende der Goethe-Universität von einer beachtlichen Menge an Standbildern verwirrt. Die Objekte tragen die Züge von Johann Wolfgang Goethe, mit leicht verkindlichten Proportionen. Eine zweisprachige Broschüre informiert darüber, dass die Plastiken 107 cm hoch sind, die Farben Purpurrot, Enzianblau, Honiggelb und Türkisgrün haben, und aus Kunststoff gefertigt sind. Das Berühren der Plastiken ist verboten, worüber ein Wachmann vor dem Haupteingang der Universität mit strengen Blick wacht. Ein Handzettel gibt folgende Auskunft: Seit vielen Jahren überrascht Ottmar Hörl, international berühmter Konzeptkünstler, die Welt mit verblüffenden plastischen Konzepten, basierend auf der Maxime „Skulptur als Organisationsprinzip“. Seine Vision: Möglichst viele Menschen in einen kulturellen Diskurs miteinzubeziehen. Mit einer temporären Kunst-Installation aus 400 seriellen Goethe-Figuren verwandelt er die Grünfläche auf dem Campus Westend vor dem Haupteingang des IG Farben-Hauses in eine Identität stiftende, bildstarke, kommunikative Großskulptur. Damit wird ein Impuls zur zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem 1749 in Frankfurt geborenen Universalgelehrten gesetzt.   Eine Google-Suche nach dem Konzeptkünstler führt schnell zu seinem Onlineshop, wo man die Goetheskulpturen auch für den eigenen Vorgarten erwerben kann. Mit wenig …

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Fass mich nicht an: Abenteuerspielplatz und Wohnlandschaft. Rehberger in Frankfurt

Am meisten Spaß mit der Ausstellung „Home and Away and Outside“ von Tobias Rehberger haben wohl die Museumsaufsichten. In den Räumen der Schirn Kunsthalle in Frankfurt nebenan: „Esprit Montmartre. Die Bohème in Paris um 1900“, rote Wände, das Licht gedimmt, der Besucherstrom schiebt sich rechts und links an den Gemälden vorbei, an den Picassos, van Goghs, Toulouse-Lautrecs, Stille, bewunderndes Schweigen. Bei Rehberger grelles Licht, die Wände und der Boden sehen aus, als würde eine Horde Zebras wild durcheinander laufen und dabei ständig übereinander stolpern, an fast jeder Wand ein oder mehrere Spiegel, in der Mitte des Raumes Bänke und Skulpturen. Vielleicht doch erst einmal in den nächsten Raum schauen? Es wird noch heller, noch greller. An den Wänden statt Gemälden, wie auf Fensterbänken platziert, reihenweise Blumen in Vasen. An der hinteren Wand hängt der „M.J. Timer“, davor stehen ein Tisch und Stühle in Kindergröße. Alice im Wunderland-Feeling kommt auf. Ich frage meine Begleitung, wie die Michael Jackson Uhr funktioniert. Er zuckt mit den Achseln. Von hinten nähert sich eine Museumsaufsicht. 12 Köpfe von Michael Jackson …

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Alle Schönheit will Ewigkeit. Lagerfeld in Hamburg

Man wäre ja gern dabei gewesen, als Karl Lagerfeld mit seiner Entourage durch Südfrankreich zog, um seine Version des antiken Liebesromans über die Findelkinder Daphnis und Chloe zu fotografieren. Lagerfeld im Rolls Royce an der Spitze, im Gefolge seine Lieblingsmodels Baptiste Giabiconi und Bianca Balti, viele Schafe und natürlich Verpflegung und reichlich Champagner. Teuer war der Spaß, ein Privatvergnügen von Lagerfeld. Inzwischen hängen die Fotos auf silber- und goldfarbenes Gewebe gedruckt unter dem Titel „Moderne Mythologie“ in der Hamburger Kunsthalle und bebildern zwei anlässlich der Ausstellung im Steidl Verlag erschienene Publikationen. Lagerfeld teilt sich in der Kunsthalle das Sockelgeschoss mit Anselm Feuerbach. Die Wiesbadener Ausstellung „Nanna — Anselm Feuerbachs Elixier einer Leidenschaft“ ist nach Hamburg gewandert und wurde dort um ein vermeintliches Pendant des Malers in der Gegenwart ergänzt. Eine „Kontrastkoppelung“ – mit Werner Hofmann gesprochen – nennt der Direktor und Kurator Prof. Dr. Hubertus Gaßner das Konzept der Schau. Es gehe um das Verhältnis von Kunst und Mode, um Modelle, um Schönheit und die Frage, ob Mode heute zur Kunst geworden ist. Das Bindeglied zwischen dem Maler und …

Der Bleistift als Waffe

Die Reportagezeichnung in Zeitungen und Zeitschriften bewegt sich seit dem 19. Jahrhundert im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Selbstreferenz und kritischer Berichterstattung. Wie die multiplen Rollen der Illustratoren zusammenpassen, zeigte die Ausstellung „Vogelmen Diaries – Das Melton Prior Institut präsentiert ‚Special Artists'“ im Heidelberger Kunstverein.