Kunsthistoriker im Gespräch


Energieoase für junge Kunst

Jüngst schlossen sich die Heidelberger Institutionen für moderne und zeitgenössische Kunst zum Verbund „Kunst Heidelberg“ zusammen, um die Stadt an den internationalen Kunstdiskurs anzubinden. Anlässlich seiner Jurorentätigkeit für die kommende Ausstellung „Übermorgenkünstler“ im Heidelberger Kunstverein interviewten wir Reinhard Spieler, den Direktor des Wilhelm-Hack-Museums Ludwigshafen, und nutzten die Gelegenheit, mit ihm über die Kunstszene in der Metropolregion Rhein-Neckar zu sprechen.

3. November 2009

Die Fragen stellte Caroline Marié.

Redaktion

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Sie sind einer der drei Juroren für die Ausstellung „Übermorgenkünstler“. Was hat Sie zu Ihrer Jurorentätigkeit bewogen?

Johan Holten, der Direktor des Heidelberger Kunstvereins, hat mich eingeladen und angefragt – unter Kollegen helfen wir uns da gerne. Abgesehen davon interessiert mich die junge Kunst und eine solche Jury ist immer eine gute Gelegenheit, die junge Szene kennenzulernen.

Wie bewerten Sie die Qualität der eingereichten Arbeiten?

Insgesamt gut. In der Malerei ist es ein wenig dünn, aber in anderen Medien habe ich viele interessante Arbeiten entdeckt.

Hat Sie ein Werk besonders angesprochen?

Ein paar Arbeiten ragen schon heraus, aber es wäre unfair, das jetzt schon in die Öffentlichkeit zu tragen – schließlich wollen wir die Ausstellung erst einmal abwarten.

Wie wichtig ist es, jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben auszustellen?

Das ist natürlich sehr wichtig, denn schließlich braucht es Gelegenheiten, bei denen das Werk überhaupt erst einmal entdeckt werden kann. Das müssen nicht immer gleich die Museen oder Kunstvereine sein, aber manchmal können und sollten sie es eben auch sein.

Ist es in Heidelberg beziehungsweise in der Rhein-Neckar-Region schwierig mit „junger Kunst“ in Berührung zu kommen?

Heidelberg ist nicht gerade eine Energieoase für junge Kunst. Abgesehen vom Kunstverein, der sehr gute Arbeit macht, gibt es dort nicht viel Engagement in Sachen zeitgenössischer Kunst. Das gilt leider auch für die Universität, die in diesem Bereich sicherlich noch mehr tun könnte. Zudem fehlt auch eine Kunstakademie sowie eine Galerie-Szene im zeitgenössischen Bereich.

Die gibt es in der Region nur in Mannheim, allerdings auch nicht vergleichbar mit Frankfurt oder gar dem Rheinland oder Berlin. Immerhin gibt es in der Metropolregion die Mannheimer Kunsthalle und das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sowie die Kunstvereine in Mannheim und Ludwigshafen, die doch beachtliche Arbeit leisten. Insofern kann man auch von Heidelberg aus im Umkreis von weniger als 30 Fahrminuten eine Menge zeitgenössischer Kunst erleben. Wenn man mit Darmstadt, Frankfurt, Karlsruhe und Stuttgart noch ein bisschen weitere Kreise zieht, hat man sogar eine absolut hochkarätige Auswahl.

Sicherlich ist die Ausstellung „Übermorgenkünstler“ ein erster Schritt, dies zu ändern. Wie könnten die nächsten Schritte aussehen – ist vielleicht schon etwas in Planung?

Wir planen eine Regional-Biennale für zeitgenössische Kunst aus der Motropolregion, die abwechselnd in Mannheim und Ludwigshafen stattfinden wird und Künstlern aus der recht weit gefassten Metropolregion eine Plattform bieten soll. Junge Künstler sollten sich aber durchaus nicht nur auf die Institutionen versteifen, sondern sich auch selbst organisieren und neue Ort und Räume für die Kunst erobern – das ist erfahrungsgemäß oft spannender als eine Institutions-Präsentation.

Wie schätzen Sie den Generationswechsel in den deutschen Kunstvereinen ein?

Da hat sich in den letzten Jahren viel getan! Johan Holten ist ein gutes Beispiel, aber auch in anderen Kunstvereinen ist viel frischer Wind am Werk – ich denke da etwa an Hannover, Bonn, Aachen oder Düsseldorf. Kunstvereine leben auch von diesem Generationswechsel und sollten die Chance dazu nutzen, um sich da auch ein wenig von den Museen abzuheben, die auf längere Zyklen angelegt sind.

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