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12 Tipps für Museen auf Instagram

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Nach mehr als sechs Jahren Instagram ist man nach einem Blick auf Accounts von deutschen Museen als Follower noch immer etwas ratlos. Angesichts von Fotos, die Museen in dieser Qualität in keinem anderen Kontext kommunizieren werden würden. Angesichts von Desinteresse und Unbedarftheit, die bei Kunstvermittlern im Museum sicherlich nicht geduldet werden würden. Angesichts von Unprofessionalität und Einfallslosigkeit, die beim Verfassen und Versand von Pressemitteilungen undenkbar sind. Deshalb hier ein paar Tipps für weniger Ratlosigkeit bei Sendern und Empfängern. 

1 Kommunizieren Sie auf Englisch, wenn Sie verstanden werden wollen.

Der Algorithmus von Instagram macht es möglich, dass Menschen über einzelne Beiträge oder einen Account stolpern (u.a. die Explore-Page). Instagram hat mittlerweile mehr als 500 Millionen Nutzer, nur 9 Millionen davon sind aus Deutschland.

2 Hallo Welt

Da Menschen über einzelne Beiträge oder einen Account stolpern: Kommunizieren Sie nicht kryptisch in Hashtags. Gehen Sie nicht davon aus, dass nur Follower Ihre Beiträge sehen und genau wissen, über welche Ausstellung Sie gerade sprechen. Gehen Sie auch nicht davon aus, dass Ihre Follower jeden einzelnen Ihrer Beiträge mit Spannung verfolgen und immer genau wissen, was auf Ihrem Account gerade los ist.

3 Mosaike sind nicht okay.

Mosaike nerven hart. Aber Moment, was ist überhaupt ein Mosaik? Ein Mosaik ist ein Foto, das auf 3, 6, 9 oder mehr Postings aufgeteilt ist, in der Galerieansicht toll aussieht, sonst aber eher stört. Denn Sie müssen zuerst einmal 3, 6, 9 oder mehr Bilder auf Instagram in sehr kurzem Abstand posten, mit denen Ihre Follower definitiv nichts anfangen können. Vergessen Sie nicht, dass im Grunde nur Sie selbst ständig das eigene Profil ansehen, Ihre Follower interessieren sich für einzelne Beiträge.

4 Less is more.

Instagram ist nicht Twitter. Zu viele Beiträge laufen unter Spam. Verteilen Sie Ihre Beiträge über den Tag. Ein Beitrag pro Tag ist ausreichend. Wenn Sie live von einer Vernissage, einem Talk oder einem Termin mit einem Künstler oder einem Kurator berichten möchten, weichen Sie auf die Funktion Stories aus. Die Beiträge verschwinden nach 24 Stunden wieder.

5 Humor ist okay.

Endlich mal wieder nichts verstanden. Im Museum. Und jetzt auch noch auf Instagram? Das muss nicht sein. Verzichten Sie auf lange Informationstexte, die so trocken und wissenschaftlich sind wie die Texte in der Ausstellung. Vermitteln Sie Kunst mit einfachen Worten. Humor ist okay.

Entwickeln Sie eine eigene Bildsprache.

Instagram ist ein kostenloser Dienst zum Teilen von Fotos und Videos. Sie würden keine Plakate in der Stadt aufhängen lassen, auf denen alles verrutscht ist. Sie würden keine Anzeige schalten, die nicht zu Ihrer Institution passt. Sie würden keinen Kunstvermittler durch Ihre Ausstellung führen lassen, von dessen Qualifikation Sie sich nicht überzeugt haben. Instagram ist ebenfalls ein Aushängeschild. Machen Sie sich mit der Ästhetik auf Instagram vertraut und entwickeln Sie eine eigene Bildsprache. Wie die Berlinische Galerie. Less is more, wenn es um die Ästhetik auf Instagram geht.

Verwenden Sie keine Filter, wenn ihr Kalender nicht das Jahr 2011 anzeigt.

Instagram ist keine Filter-Hölle, in der Sepia fließt. Filter waren einmal. Filter waren 2011 vielleicht noch in, als alle Welt dachte, Instagram sei eine App mit der man Bilder bearbeitet, um sie wie Polaroids aussehen zu lassen. Sie wissen ja, Snapchat ist eine Sexting-App. Verwenden Sie Filter, wenn Sie die Qualität Ihrer Bilder verbessern möchten. Hierfür bieten sich Apps wie Snapseed, VSCO oder Filmborn an. Aber Finger weg von den Retro-Filtern und den Polaroidrahmen.

8 #Sprechen #Sie #nicht #in #Hashtags.

Verwenden Sie nicht einfach nur Hashtags wie #architecture #photography #painting, #sammlung #museum #berlin #love #mama #kurator #besucher #hunger #pause #wochenende #müde #feierabend #krank.

9 Entwickeln Sie Formate und erstellen Sie einen Redaktionsplan.

Schon wieder keine Zeit für Instagram gehabt. Auch das muss nicht sein. Entwickeln Sie Formate samt Hashtags, die zum sozialen Netzwerk Instagram passen. Die Tate beispielsweise spielt folgende Formate: #artword, ein Begriff aus der Kunstgeschichte wird erklärt. #workoftheweek, ein Kunstwerk wird erläutert. #tateweather, ein Kunstwerk wird passend zum Wetter geteilt. #didyouknow, eine Hintergrundinformation zu einem Werk wird geliefert. #tatedebate, eine Frage wird an die Follower gerichtet. Kürzlich etwa: „Spiegelt deine Persönlichkeit online wieder, wer Du wirklich bist?“ („Is your online persona reflective of who you really are?“) Erstellen Sie einen Redaktionsplan, bereiten Sie die Postings regelmäßig vor (etwa alle zwei Wochen), dann müssen Sie nur noch copy und pasten.
Die Woche auf Instagram ist okay. Montag ist #motivationmonday, Mittwoch ist #Lampenmittwoch, Freitag ist #treppenhausfreitag und sonntags teilen alle ein #asundaycarpic. Aber da geht noch mehr. An eigenen Formaten.

10 Ein Hashtag kommt selten allein.

Sie zeigen eine Retrospektive von Gerhard Richter, da liegt es auf der Hand das Hashtag #gerhardrichter zu verwenden, denken Sie sich. Huch. Unter dem Hashtag #GerhardRichter finden sich schon 36.428 Beiträge. Eine Möglichkeit wäre Hashtags mit dem Kürzel des Museums zu branden.

11 Regram is not a thing on Instagram. 

Twitter hat einen Button für Retweets, auf Tumblr gibt es den Reblog-Button und auf Facebook heißt es Share, wenn man etwas mit den eigenen Followern teilen möchte. Instagram sieht nicht vor, dass die dort publizierten Inhalte mit einem Klick geteilt werden, da es sich zumeist um eigenes Bildmaterial handelt. User Generated Content ist auf Instagram natürlich durchaus erwünscht, deshalb gibt es Contests etc. Fragen Sie die Bilder an. Verwenden Sie keine Regram-Apps, die den Namen des Urhebers ins Bild stempeln.

12 Bitte. Danke. Oder: Community-building is a thing on Instagram. 

#communityfirst heißt es auf Instagram. Was Instagram gegenüber Facebook auszeichnet, ist die Community. Man trifft sich zu InstaMeets, man geht miteinander fotografieren, man tauscht sich aus. Bemühen Sie sich um Ihre Follower. Antworten Sie zeitnah auf Kommentare, das ist ein guter Anfang. Bitte. Danke.

Die Autorin ist unter dem Pseudonym @gert_pauly auf Instagram aktiv, wo sie mit der @thisaintartschool spielt. 

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