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„Im Grunde entertaine ich mich selbst“. Alec Soth im Interview in Photonews 4/17

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Der Magnum-Fotograf Alec Soth hat 2015 die Arbeit „Disappear With Me“ für $ 100 verkauft. Es handelte sich um ein Gespräch, das mit Soth via Snapchat geführt werden konnte. Die Käufer der Arbeit haben mindestens 25 Fotos von ihm per Direct Message geschickt bekommen. Für Photonews habe ich versucht, ein Interview mit Alec Soth über Snapchat zu führen. Warum das nicht geklappt hat, steht hier, alles Weitere in Photonews 4/2017.

Im Januar 2016 habe ich Alec Soth gefragt, ob er Interesse an einem Interview über Snapchat und Instagram via Snapchat habe. Ich schickte ihm also eine Nachricht per Snapchat und bekam wenige Minuten später eine Antwort in Form einer Videobotschaft. Er stand vor einer verschneiten Hütte, freute sich über meine Anfrage und sagte zu. Wir hätten uns nun weiter 10sekündige Videonachrichten schicken können. Das Problem für mich: Jedes Video verschwindet, nachdem man es sich angesehen hat. Wie also das Interview transkribieren? Ich bat ihn, auf Textnachrichten umzusteigen.

Alec Soth: Egal was. Ich kann mischen oder was immer Sie bevorzugen.

Anika: Alles klar, fangen wir gleich mit der ersten Frage an. Was bevorzugen Sie, Snapchat oder Instagram?
Alec Soth: Präferenzen habe ich keine. Ich mag beide wegen ihrer einzigartigen Qualitäten. Ich glaube auch, dass beide irgendwie albern sind.

Anika: Was passiert, wenn ein Fotograf auf Instagram ist und anfängt über Selbstvermarktung und Likes nachzudenken? Machen Sie sich Gedanken über Likes?
Alec Soth: Likes sind der Motor von Instagram. Auch wenn ich das oft erschreckend finde, bin ich mir nicht sicher, ob sich das so sehr von dem unterscheidet, was Künstler wollen. Selbst wenn jemand düstere Gemälde schafft, ist nicht ein Teil davon, ganz tief drinnen, bewundert zu werden? Ich nutze Instagram, um diese Fragen für mich selbst zu beantworten.

Anika: Nicht unbedingt Künstler und bekannte Fotografen sind populär auf Instagram, haben Hunderttausende von Followern und werden bewundert, sondern Menschen, die durch Instagram bekannt werden und Follower sammeln, weil sie etwa atemberaubende Landschaftsaufnahmen posten oder ihr Frühstück jeden Tag symmetrisch anrichten und fotografieren. Hat Instagram Sie als Fotograf beeinflusst?

Das Interview ist in voller Länge in Photonews 4/17 erschienen.

Ich bekomme keine Antwort. Das Problem für Alec Soth: Jede Textnachricht verschwindet, nachdem man sie gelesen hat. Wie also sich an die Fragen erinnern und darüber nachdenken? Wir vertagen unser Gespräch. Im Mai ist Photo London, spätestens dann sollte es mit einem Gespräch offline klappen. Es ist Mai, die Photo London findet statt, Alec Soth hat viele Verpflichtungen, wir vertagen uns.

In der Zwischenzeit führen Instagram und Snapchat wieder und wieder neue Funktionen ein. Instagram unter anderem die so genannten Stories, Bilder und Videos können jetzt wie bei Snapchat mit Stickern und Text versehen werden und verschwinden nach 24 Stunden. Snapchat derweil bekommt ein Gedächtnis, Bilder können in der App gespeichert und später zu Geschichten zusammengefügt werden, die wie gehabt nach 24 Stunden verschwinden. Alleinstellungsmerkmale ade.

Im Januar 2017 schreibe ich Alec Soth eine Mail und frage ihn, ob er Interesse hat, das Gespräch fortzusetzen. Er antwortet wenige Stunden später. Wir verabreden uns für den nächsten Tag auf Skype. Donald Trump steht kurz vor der Amtseinführung, aber da das Interview erst im April erscheinen wird, soll der neue Präsident kein Thema sein. Wer weiß, was Trump alles in wenigen Wochen anrichten kann. Auf Facebook frage ich in die Runde, wer von den Fotografen und Instagrammern etwas von Alec Soth wissen möchte. „Er folgt mir auf Instagram. Frag ihn warum.“ Oder: „Warum folgt er mir nicht auf Instagram?“ Ich wandle die am häufigsten gestellte Frage leicht ab.

[Sprung ans Ende des Textes]

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Misha #lbmisha

Anika: Wird es jemals ein Buch mit den Hundefotos von #lbmisha geben?
Alec Soth: Nein. Obwohl, das sollte ich so nicht sagen. Vielleicht mache ich etwas mit den Unselfies. Aber da die Unselfies für die sozialen Medien entstanden sind, kann ich mich mit dem Gedanken nicht so recht anfreunden, die Fotos außerhalb der sozialen Medien im Kontext meiner Arbeit zu sehen. Aber man weiß ja nie, vielleicht mache ich eines Tages ein Buch mit Hundefotos.

Anika: Das wäre ziemlich gut. Selfies und Hundefotos, von Alec Soth und Stephen Shore, das wäre das totale Social Media-Klischee. Großartig.
Alec Soth: Ich glaube, er ist eher der Typ Katzenfotograf.

Anika: Er hat aber auch zwei Hunde. Wally und Annabelle. Wenn die Hunde Geburtstag haben, bekommen sie einen Geburtstagskuchen.
Alec Soth: Das schätze ich an Stephen Shore. Ich war froh, dass er auch mit Instagram angefangen hat. Ganz zu Beginn hat er ein Foto von einer Katze gepostet, das hat mich glücklich gemacht, weil das alles nicht so gekünstelt ist bei ihm.

Anika: Was hat es mit Ihrem Interesse für Katzen auf sich?
Alec Soth: Wir haben ein paar Katzen seit drei oder vier Jahren. Aber erst seit Kurzem bewundere ich sie. Katzen sind anspruchsvoller als Hunde, Hunde geben dir einfach ihre Liebe. Es gibt Katzenmenschen und Hundemenschen. Ich dachte bisher, ich sei ein Hundemensch. Aber die Dinge ändern sich, vielleicht hat das mit meinem spirituellen Erwachen zu tun. Die Deutschen werden das Interview hassen. Wir sprechen die ganze Zeit über Hunde und Spiritualität.

Anika: Ich freue mich sehr auf das nächste Fotobuch von Ihnen. Selfies, Katzen und Hunde. Das wird ein Bestseller. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview ist in voller Länge in Photonews 4/17 erschienen.

Alec Soth auf Instagram.
Titelbild: Alec Soth

 

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