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Gefährliche Selfies – sichere Klicks

Der Generation Instagram reicht der Blick in den Spiegel nicht mehr aus. Sie will mehr. Und sie riskiert dabei immer mehr. Selfies sind populärer denn je, sogar Barack Obama wurde schon mit einem Selfie-Stick gesichtet. Aber wie sieht es aus, wenn Fotografen und Künstler das Massenphänomen Selfie negieren oder mit der übersteigerten Selbstwahrnehmung arbeiten?

 

Schon früh bekommen wir beigebracht, von Fremden nichts anzunehmen. Als ich auf der Praterstraße in Wien spazierend gerade in ein Brötchen biss, stellte sich mir die Frage gar nicht erst, ob ich nach der Zeitung greifen sollte, die mir zur kostenlosen Mitnahme angeboten wurde. Ich hatte keine Hand mehr frei. Ein Blick auf den Titel der Zeitung ließ mich allerdings schnell mein Käsebrötchen einpacken und selbige, freundlich mit dem Kopf nickend, entgegennehmen.

Der Kurier, die – nach eigenen Angaben – unabhängige Tageszeitung für Österreich, titelte am 22. September: „Tödliche Selfies. Unfälle. Mehr Tote beim Fotografieren als durch Haiattacken.“ Ja, das ist nicht schön. Nichts davon. Haie gelten gemeinhin, darüber gibt Wikipedia Auskunft, als kaltblütige Killer und Menschenfresser. Und das obwohl pro Jahr nur etwa fünf Menschen an den Folgen eines Haiangriffs sterben. Neben der Überschrift also reißt solch ein kaltblütiger Killer sein Maul weit auf. Drei Mädchen will er verschlingen. Nur bekommen die von all dem nichts mit. Sie lachen mit freudig strahlenden Gesichtern ein Smartphone-Display an. Natürlich – die Zeitungsmacher können es sich offenbar nicht anders vorstellen – sind die drei Asiatinnen, natürlich trägt mindestens eine von ihnen ein Louis Vuitton-Replikat und natürlich ist die Handy-Hülle pink und von Hello Kitty. Hipster-Brillen fehlen auch nicht, nicht einmal im Katzengesicht.

Schon der Fotograf Martin Parr wusste: Haie machen sich gut auf Fotos. Deshalb steckt er seinen Kopf durch ein Loch in das Maul eines Hais. Martin Parr: Autoportrait. Benidorm, Spain, 1997 © Collection Martin Parr / Magnum Photos

Von großen Haien und sicheren Selfies

Selfies, das will man inzwischen fast jedem Kind weismachen, sind mindestens so gefährlich, wie von einem Fremden auf der Straße angebotene Süßigkeiten. Und eigentlich kann der Kurier für all das nichts. Schließlich wurde mit dem Selfie-Drama nur eine Clickbait-Attacke der Internetseite Mashable aufgegriffen. Auf Seite 13 erfuhr man mehr darüber. „Menschen nehmen ein immer größeres Risiko in Kauf, um ein möglichst imposantes Selbstporträt aufzunehmen.“ In Zahlen: (Dass der Vergleich der absoluten Zahlen hinkt, kann hier nachgelesen werden.) Acht Menschen sind dieses Jahr bereits durch Haiattacken gestorben. 12 Menschen sind bei dem Versuch ums Leben gekommen, ein Selfie zu machen. Sie sind dabei von einem Zug überfahren worden, in die Tiefe gestürzt oder haben sich in den Kopf geschossen. In Russland, das wiederum stand nicht im Kurier, sind bereits 10 Menschen beim Selfiemachen tödlich verunglückt, über Hundert haben sich Verletzungen zugezogen.

Die Behörden in Russland reagierten mit einer Broschüre zum Thema „Safe Selfie“. Das Motto der Kampagne: „Even a million ‚likes‘ on social media are not worth your life and well-being.“ Begleitet wird die Broschüre von Warnschildern, die häufige Todesursachen beim Fotografieren illustrieren.

safeselfie

Wie man sicher Selfies macht.

Während der Blick langsam über die Warnhinweise wandert, weiß man nicht recht, ob man lachen oder weinen soll. Raubtiere sind gefährlich, Züge, Strommasten, Treppen, Waffen, Abhänge, Häuserdächer und Boote. Aber nur für den, der mit dem Smartphone in der Hand nicht mehr auf seine Umwelt achtet.

Selbstverliebte und ein Selfie-Gate

Nur gelten Selfies nicht erst als gefährlich, seit Menschen sich beim Fotografieren von einem Zug überfahren lassen oder von einem Hausdach fallen. Forscher der Ohio State University konnten wissenschaftlich belegen, was sich vermutlich so gut wie jeder dachte: Menschen, die unentwegt Selfies in sozialen Netzwerken teilen, sind selbstverliebt. An der Studie nahmen 800 Männer zwischen 18 und 40 Jahren teil. Eine weitere Studie mit Frauen soll folgen. Derweil gilt für die Männer: Inszenierende Selbstdarsteller weisen eher antisoziale Charakterzüge auf und sind eher psychopathisch veranlagt als Männer, die weniger Selfies machen. Psychopathen optimieren und bearbeiten ihre Selfies gar nicht erst lange, sie posten einfach. Impulsivität sei typisch für Psychopathen, so eine an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin.

Sogar Politiker machen Selfies. Impulsiv. In den unmöglichsten Situationen. Freunde machen sie sich damit keine. Aber sie haben ja sich, das ist Grund genug zur Freude. Deshalb muss schnell ein Selfie gemacht werden. Auch wenn man gerade bei der Trauerfeier von Nelson Mandela in Johannesburg ist. Barack, Helle und David jedenfalls steckten kurz die Köpfe zusammen, Helle streckte die Arme aus, hielt das Smartphone in die Höhe und bemühte ihren Daumen. Die Welt ist empört. Aber sie ist um ein Gate reicher, nämlich um das so genannte Selfie-Gate. Fast zwei Jahre nach dem Vorfall ist das Thema immer noch ein Aufreger. Jo Berlien echauffiert sich in der aktuellen Photo-News (10/2015) unter dem Titel Ich! Ich! Ich! Jetzt auch noch Instagram: Die Politik in der Selbstinszenierungsfalle über die „drei Egos, die die Welt um sich herum vergessen, ganz gleich, wo sie gerade sind“.

Für die dänische Ministerpräsidentin, den amerikanischen Präsidenten und den britischen Premier zählte nur der Moment. Und vielleicht wollten sie auch – ganz klassisch – ein Erinnerungsfoto für ihre Familienalben haben. Wer Selfies macht, so der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich, „will spontan, schlagfertig oder gut vernetzt erscheinen. Es geht darum, andere zu überraschen und zu unterhalten sowie einen an sich schon emotional starken Moment durch ein Selfie noch intensiver zu erleben.“

Emojiposen

Selfies erfreuen sich so großer Beliebtheit, da sie zu Mitteln der Kommunikation geworden sind. Sie werden sofort nach ihrer Entstehung per iMessage, WhatsApp, Facebook Messenger oder immer häufiger per Snapchat versendet. Sie geben dem Empfänger Auskunft über die aktuelle Gefühlslage und übermitteln einen Lagebericht: wer, wie, was? Der Absender eines Selfies will sich nicht lange erklären müssen. Da Selfies fast immer in einer kommunikativen Situation entstehen, wie Ullrich weiter ausführt, „sollen sie möglichst unmissverständlich sein, prägnant und schnell wirken“. Er vergleicht das schnelle digitale Selbstbildnis mit Emoticons, den gelben Smileys, die mal lachen, mal weinen, mal die Augen weit aufreißen, mal verliebt gucken, mal die Zunge rausstrecken u.v.m. Er hat beobachtet, dass sich Menschen für Selfies in Emojiposen schmeißen.

Selbst Barack Obama albert in einem Werbevideo mit dem Titel Things everybody does but doesn’t talk about vor dem Spiegel herum und verzieht sein Gesicht, wie man es von Emoticons kennt. Man könnte an dieser Stelle freilich auch die alte Frage zum Henne-Ei-Problem stellen. Wer war zuerst da? Der Gesichtsausdruck oder das Emoticon? Da Selfies sich heute immer öfter wie Emoticons gerieren, sind sie dabei, so die These von Ullrich, „zu einer Weltsprache zu werden, mit der Stimmungen und Situationen überall verständlich kommunizierbar sind.“

Groteske Fratzen

Der Instant-Messaging Dienst Snapchat hat kürzlich ein Feature hinzugefügt, das es den Nutzern noch einfacher macht, all ihre Gefühle in ein Selfie zu legen. Ist die Front-Kamera des Smartphones auf das eigene Gesicht gerichtet, wird es gescannt. Plötzlich kann und erlebt so ein Gesicht so manches. Dunkle Gewitterwolken brauen sich über dem Kopf zusammen, die Augen funkeln, Blitze bedecken den Bildschirm und das eigene Gesicht. Und das alles nur, weil man – wie Snapchat verlangt – den Mund aufgemacht hat. Zieht man die Augenbrauchen hoch, geht ein Feuerwerk los. Macht man wieder den Mund auf, legt sich eine gelbe Selfiemaske über das Gesicht und schneidet gemeinsam mit einem Grimassen.

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Im Strudel der Gefühle auf Snapchat mit User @bosch_hh.

Bereits einige Zeit bevor das neue Snapchat-Feature da war, hat sich Chris Dercon Gedanken über das „professionell Lächerliche“ clownesker Online-Porträts gemacht (Monopol Magazin 9/2015). „Das Übertriebene im Vorgang des Sichlustig-Machens über sich selbst oder andere“ sei ein globales Phänomen, das die Bildkultur des Informationszeitalters zu beherrschen scheine. Das Groteske hat er als eine moderne Kategorie im Sinne eines modernen Denkens ausgemacht. Das Groteske finde sich unserer Tage in den sozialen Medien in Form von Selfies und Snapchats, es beruhe auf einer Deformation des Ausdrucks, auf dem Lachen über sich selbst oder gegen sich selbst gerichtete Komik, schreibt Dercon. Eine Begründung hat er dafür auch zur Hand. Da die Sehnsucht nach einem idealen Leben immerzu enttäuscht werde, sei es das Groteske, das „zum bevorzugten Ausdruck des Ungestalteten, einer Repräsentationsform, die sich dem Impuls zur Selbstverwirklichung wie der Anerkennung des Scheiterns eines idealen Lebens“ verdanke, werde.

Spiegelbilder

Man mag es ja kaum glauben, aber es soll auch Menschen geben, die sich nicht an dieser „Revolution von gewaltigen Ausmaß in der Geschichte des Porträts“ – wieder Chris Dercon – beteiligen. Das Selfie hat sich vom Selbstporträt emanzipiert und zu einem neuen visuellen Genre entwickelt (Jerry Saltz). Da braucht es Beobachter, die diese Entwicklung wiederum im Bild kommentieren. Manchmal sagen aber auch Worte mehr als Bilder. Der Fotograf F.C. Gundlach lehnt es ab, er hält es für überflüssig, das Selfie. „Selfies brauche ich nicht, der Blick in den Spiegel reicht mir“, antwortet er auf die Frage „Selfie oder nicht?“ (Monopol 11/2015) Die unstillbare Selbstliebe, die der Generation Instagram nachgesagt wird, will Gundlach weit von sich weisen.

Gelegentlich schaue auch ich in einen Spiegel und noch gelegentlicher mache ich in solchen Momenten ein so genanntes #mirrorselfie. Bevorzugt auf öffentlichen Toiletten – in Museen und Bibliotheken. Dieses Selfie ist im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt entstanden.

Narziss war sein Spiegelbild genug. Die Generation Instagram aber stellt der Blick in den Spiegel nicht mehr zufrieden. Sie will mehr. Das suggerieren auch die Titel der Ausstellungen, die sich mit dem Thema Selfie befassen: Ego Update heißt es im NRW-Forum Düsseldorf, Ich-Fest & Selbst-Stress in der Sammlung Prinzhorn beim Fotofestival Mannheim – Ludwigshafen – Heidelberg und etwas zurückhaltender Ich bin hier in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

Wer ein Selfie in den sozialen Netzwerken teilt, möchte gesehen werden, will sich vernetzen und hofft auf Likes und Zuspruch in Form von Kommentaren. „Wow!“ „Hübsche!“ „Beauty.“ Es soll gerufen, geklatscht, bewundert werden. Überall Schreie nach Anerkennung. Aber wer ein Selfie teilt und so ein digitales Image kreiert, muss sich „bestimmten Rollenerwartungen, Körpernormen und Schönheitsidealen unterordnen“. (Ramón Reichert) Das wiederum ist Fotografen und Künstlern nicht genug. Sie beobachten das Massenphänomen Selfie und kommentieren in Arbeiten, Serien oder eigenen Social-Media-Projekten auf Instagram das Verlangen nach Wunschbildern und Authentizität.

Spielverderber

Lange vor der Popularität von Selfies und Social-Media-Plattformen hat die junge niederländische Künstlerin Melanie Bonajo zwei Jahre lang an einer Serie von Selbstporträts gearbeitet, die sie zeigen, wie man sonst eigentlich nicht in der Öffentlichkeit, vielleicht nicht einmal von Freunden gesehen werden möchte, nämlich weinend. Zwischen 2005 und 2007 hat sie sich immer wieder mit verheulten Augen und tränenverschmiertem Gesicht fotografiert. Unter der Dusche, im Bett, im Auto, mit dem Telefonhörer am Ohr und an einen Teddybär gekuschelt. Ihre Arbeit trägt den sprechenden Titel Thank you for hurting me, I really needed that. Das klingt nach einer sehr persönlichen Abrechnung, die aber so ganz und gar nicht mehr privat ist, wenn die Serie jetzt als Poster in der Schau Ich-Fest & Selbst-Stress ausgestellt ist und zur kostenlosen Mitnahme angeboten wird. Knapp zehn Jahre nach ihrer Entstehung wirkt die Arbeit, als würde jemand hinter die Fassade der immerzu lächelnden Gesichter auf Instagram blicken. Und das Poster sieht aus, als hätte jemand einfach einen Tumblr- oder Instagram-Account ausgedruckt, nur mit dem Inhalt stimmt etwas nicht.

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Tausend Tränen tief, ein andres Blau. Die Künstlerin Melanie Bonajo. Ein Selbstporträt aus der Serie „Thank you for hurting me, I really needed that“, 2005-2007.

Von jungen Mädchen und Frauen wird in den sozialen Netzwerken erwartet, dass sie Rollenklischees entsprechen. Lächeln sie hübsch in die Kamera, haben die Haare schön und perfekt aufgetragenes Make-up, wird geliked und sich gefreut. Kim Kardashian, die kleine Prinzessin der Generation Duckface macht vor, wie es geht. Die kanadische Fotografin Petra Collins hingegen übernimmt gern die Rolle der Spielverderberin. Mit der kitschigen Darstellung junger Mädchen kann sie nicht viel anfangen. Deshalb entzaubert sie ab und an den Blick in das Schlafzimmer junger Mädchen, die meist etwas zu pink eingerichtet sind und zu sehr nach Glitzerstaub von Prinzessin Lillifee aussehen. Auf Instagram feiert sie gern Pimple Parties, offenbar morgens nach dem Aufwachen, noch im Bett liegend. „tfw u wake up and ur skin and hair decide they hate u“. Haut und Haar zeigt sie den Stinkefinger. 7.740 Likes hat das Bild, unter dem dieser Kommentar steht. Authentizität und Glaubwürdigkeit werden belohnt. @petrafcollins hat 182.000 Follower auf Instagram.

pimple party 💕🌸✌️

A photo posted by Petra Collins (@petrafcollins) on

Foodies von der Stange

Ein willkommener Angriffspunkt für Fotografen ist, neben dem schönen Schein, der Selfie-Stick. Beliebt bei Touristen, unbeliebt in Museen gilt er gemeinhin als uncooles Accessoire, mit dem noch uncoolere Menschen von sich selbst Fotos vor touristischen Attraktionen machen. Zumindest der Zyniker und Magnum-Fotograf Martin Parr freut sich über die Beliebtheit des Selfie-Sticks, denn endlich kann er Touristen von vorne fotografieren und hat sogar noch die Sehenswürdigkeit mit im Bild. Der australische Künstler Jackson Eaton macht mit einem Selfie-Stick auf seinem Instagram-Kanal alles, nur keine Selfies. Also, zumindest nicht mit dem Selfie-Stick, sondern von ihm selbst. Und da Foodies sehr beliebt sind – wir alle wissen, wir fotografieren mindestens drei Mal am Tag unser Essen und zeigen es auf all unseren Social Media-Kanälen all unseren Freunden –, gibt es Foodies von der Stange. Dafür spannt er in die Halterung seiner Narzisstenstange etwas Essbares und macht ein Foto davon. Hashtag: #youarewhatyoueat. Was er so fotografiert? Bananen, Chicken Wings, Maiskolben, Croissants, Brie, Apple Crumble, Cracker, Brownies, Donuts, Steak, Popcorn, Sushi … eigentlich alles, was man essen kann.

Nicht ohne mein Gesicht

Ein anderer Fotograf spielt nicht mit Essen, sondern mit dem Selfie selbst. Als Alec Soth, in den sozialen Medien ist er als @littlebrownmushroom bekannt, seinen Instagram-Account eröffnete, dachte er laut darüber nach, womit er den Kanal bespielen könnte. 20 Themen sind dem Magnum-Fotografen eingefallen, darunter „Unlikable Pet Pictures“, „Therapist Texts“, „Eyeball Portraits“, „Express emotions like a Japanese teenager“ und „unselfies“. Vor 120 Wochen waren die Unselfies seine erste Idee. Seither postet er regelmäßig solche digitalen Selbstporträts, die als Selfies daherkommen, aber keine sind, denn es fehlt ein entscheidendes Detail: das Gesicht des auf armeslänge Porträtierten.

Ein Gesicht wird erst zu einem Gesicht, „wenn es mit anderen Gesichtern in Kontakt tritt, sie anschaut und von ihnen angeschaut wird“, schreibt Hans Belting in seiner Studie Faces. Und so ist ein Selfie auch erst ein Selfie, wenn es ein Gesicht hat, das erkennbar in die Kamera eines Smartphones blickt und in den sozialen Medien angesehen werden kann. Sein Gesicht aber verpixelt oder verdeckt Alec Soth, mit Masken, mit Schnee und Wasser, mit Dampf und Dingen, die er zwischen die Finger bekommt.

Enormous Orange Mushroom

A photo posted by Alec Soth (@littlebrownmushroom) on

Alec Soth also marschiert bei der Selfieparade mit, ohne erkannt werden zu wollen. Das ist paradox. Er spielt ein doppeltes Spiel. Er zeigt und verhüllt zugleich. Er kommuniziert mit seinen Followern und hält sie gleichzeitig auf Distanz.

Haters gonna hate

Und wem das alles zu albern, banal, uninspiriert, zeitraubend, selbstverliebt, langweilig, oberflächlich oder gar zu gefährlich ist, der kann ja Mitglied im Anti-Selfie Club werden. Man braucht dafür nicht einmal ein SmartphoneHier geht es zur Anmeldung. Ich bin schon Mitglied. Aber Obacht, ich besitze auch einen Selfie-Stick und ich benutze ihn.

antiselfie

Und hier ist der Beweis. Ich bin Mitglied im Anti-Selfie Club.

 

>> Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Blogparade im Auftrag der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zur Ausstellung Ich bin hier. Von Rembrandt zum Selfie als einer der fünf Initialposts. Die Ausstellung ist vom 31. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 zu sehen. Das Hashtag zur Blogparade lautet #selfierade.

Wenn die Autorin nicht gerade für artefakt bloggt, schreibt sie für das Monopol Magazin über Kunst und soziale Medien, instagramt als @gert_pauly und spielt mit der This Ain’t Art School.

Die fünf Initialposts der Blogparade:
Christian Gries: Das Künstlerselfie auf Instagram

Es folgen die Beiträge von:
Anke von Heyl: Gute Gründe für ein Museumselfie
Tanja Praske 
Maria Männig: Das optimierte Ich

10 Kommentare

  1. Liebe Anika,

    betrachtet man Emojis als popkulturelle Überspitzungen von Emotionen, ist es fast nur eine logische Konsequenz, dass in Selfies mittlerweile versucht wird, diese Ausdrucksform popkultureller Kommunikation zu kopieren. Snapchat hat jetzt die nächste Version von Selfies eingeleitet, indem die App Charakteristika von Memes aufgreift, etwa aus den Rage Comics.

    Ich persönlich kann mich für Selfies nicht besonders begeistern – zumindest nicht für eigene. Deshalb war ich sofort begeistert vom Anti-Selfie (vielen Dank für die Verlinkung in deinem Beitrag) und bin auch Clubmitglied. Snapchat war hingegen nicht wirklich etwas für mich, weshalb ich es nach wenigen Tagen wieder gelöscht habe. Leider zu früh, denn „Puking Rainbows“ kam später – und als Rage Comics Fan ist es fast ein Grund für mich, mir sofort wieder einen Snapchat Account anzulegen! Wahrscheinlich gibt es für jeden die „richtige Art“ von Selfies – das zeigt auch die Vielfalt der Künstler-Selfies in deinem Beitrag.

    Viele Grüße, Angelika

  2. Liebe Anika,

    ein toller Beitrag zu der Selfierade mit vielen Verweisen, denen ich sofort allen nachgehen muss!! Spannend auch dein Beitrag über Kim Kardeshian!
    Das Phänomen Selfie ist schon ein spannendes Forschungsthema! Interessant ist auch die Negierung! Da hast du ein paar interessante Beispiele zusammengetragen.
    Zu einem Selfiestick habe ich es noch nicht gebracht! Aber ich freue mich auf das erste gemeinsame Selfie, was wir machen können!!

    Herzliche Grüße von Anke

  3. Vanessa sagt

    Vielen Dank für den Blick hinter, vor, auf und neben dieses Zeitphänomen.

    Liebe Grüße
    Pfanni

  4. Liebe Anika,

    da hammer’s also: Ich bin männlich , mag keine sozialen Vernetzungsveranstaltungen wie Oktoberfest oder Cannstatter Wasen. Davon mal abgesehen, zählt Bier nicht zu meinen Lieblingsgetränken. Als wäre das nicht schon verdächtig genug, gibt es jetzt auch noch diese Selfiestudie. Ich bin also nicht nur ein Narzist, sondern auch noch Psychopath. (Oder wäre es nicht umgekehrt richtig? Ich mochte Volksfeste schon als Kind nicht; da dachte ich noch nicht an Selfies.) Vielleicht hätte ich doch auf meine Mutter hören sollen, riet sie mir doch, Politiker zu werden („Junge, du redest so viel!“). Das hätte wenigstens ins Selfie, ah nein, ins Bild gepasst. Mein erstes Selfie habe ich mit 15 gemacht. Ein Spiegelselfie. Die höchste Wachstumsrate bei Selfies verzeichnet mein Digitalarchiv übrigens zwischen der Anschaffung meines ersten Fotohandys und der Anschaffung meines ersten Smartphones. In dieser eigenproduktiven Schaffensperiode sind rund 1000 Selfies entstanden (Bin ich sowas wie ein hypernarzistischer Megapsychopath?). Dann hatte jeder ein Smartphone und machte Selfies – ich dagegen nur noch sehr selten.
    Ich habe übrigens auch einen Selfiestick. Eine Kollegin hat ihn mir letztes Jahr geschenkt. Ich habe damit bis heute kein Selfie gemacht. Der Stick ist unglaublich praktisch, um an unübersichtlichen Treffpunkten für InstaMeets das Instagramlogo daran zu befestigen und hochzuhalten.
    Jetzt ist der Kommentar doch lang geworden – welcher Berufsgruppe sagt man nach, dass sie viel rede, ohne was zu sagen? Politikern?

    Was ich sagen wollte: Danke für den tollen Überblick! Regt zur vertiefenden Lektüre an. Und zur Diskussion. Über das Selbst.
    Herzlich, Rainer

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