Alle Artikel in: Essay

Fuck Yeah Concrete. Eine Brutalismus-Tour durch London und Instagram

Der Brutalismus ist der Architekturtrend der Stunde. Das gefällt nicht jedem, besonders nicht den Bewohnern brutalistischer Bauwerke. Sie freuen sich über deren Abriss oder träumen vom Auszug, sie sind genervt von Leuten, die kommen, um zu fotografieren, und sie wehren sich mit Worten und Hunden. Noch genervter sind nur Kunstkritiker, die sich ärgern, dass der Brutalismus auf Instagram ein gut gehendes Thema ist. Was ist auf Instagram und in London los? Anika hat es sich angesehen.

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Früchte des Feminismus

Wenn es um das Thema Body Shaming geht, sind Instagram & Co. auf der Seite der Menschen, die ein Problem mit Haaren am Körper von Frauen haben, mit Pickeln im Gesicht von pubertierenden Mädchen und mit Blut im Höschen. Eine neue Generation junger feministischer Künstlerinnen weiß die Zensur in den Sozialen Medien für ihre Zwecke zu nutzen und kämpft dagegen an. Die Aufmerksamkeit ist bei ihnen, auch wenn all die Hater und Trolle im Internet eigentlich genau das Gegenteil erreichen wollten.

Ich möchte Teil einer Mädchenbewegung sein. Die vierte Welle des Feminismus pretty in pink

Das Netz kennt kein Erbarmen. Selbst wenn ein Sachverhalt aus dem Kontext gerissen ist. Wie ein einzelner Tweet. Wie ein Text über Feminismus von der Autorin Ronja von Rönne, die sich wenig dabei dachte, als sie viel zu viele unbedachte Worte und wenige durchdachte Argumente dafür fand, warum der Feminismus sie so sehr anekelt. Egoistin sei sie, keine Feministin, legte sie los, media in res, Feminismus klinge ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat, braucht niemand, schrieb sie, und bretterte mit Vollgas mitten in den Shitstorm. Das Netz wollte sich lange nicht beruhigen, und der Netzfeminismus zeigte ihr, dass die Abneigung auf Gegenseitigkeit beruht. Verstörend inhaltsleer kämpfe der Netzfeminismus um Klicks, sagte sie. Und war schneller zur bekanntesten Anti-Feministin geworden, als sie das Buch „Fleischmarkt“ der Feministin Laurie Penny hätte lesen können. Von allen Seiten muss der Netzfeminismus Kritik einstecken, besonders die neue Generation feministischer Künstlerinnen, die in den sozialen Medien wie Tumblr und Instagram ihr Ausdrucksmedium gefunden hat. Aber ist das tatsächlich nur eine Egoshow von Narzisstinnen, die sich im Web 2.0 ihre eigene Bühne …

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Im Bett leben

Das Jahr 2015 endete mit einer überraschenden Nachricht. 80 Prozent der jungen New Yorker Berufstätigen arbeiten vom Bett aus. Und jetzt sind es nicht die Alten und Kranken, die im Bett liegen, sondern die vielbeschworenen Millenials. Die jungen Leistungsträger halten sich nicht mehr nur zum Schlafen und zum Sex im Bett auf. Das findet Silke Weber in der Zeit „gut so“. Aber so war es natürlich nicht immer. Honoré de Balzac hat in seiner „Physiologie der Ehe“ ein Kapitel der Theorie des Betts gewidmet. Da war noch das Eheleben in all seinen pikanten Details der Ausgangspunkt der Betttheorie. Weit entfernt von Balzacs Ausführungen aus einem vergangenen bürgerlichen Zeitalter ist Tracey Emins berühmte Arbeit „My Bed“. Das Bett ist ein intimer Ort, zwar kein Rückzugsort mehr, aber immerhin, irgendwie noch persönlich. Kippen, eine Flasche Orangina und eine Flasche Absolut. Batterien und Kondome und ein ungemachtes Bett. Die Arbeit ist von 1998. Damals war es vielleicht noch ein Schock, ein ungemachtes Bett auszustellen. Zumindest sorgte die Installation dafür, dass einmal mehr die langweiligste Kritik der Welt aufgewärmt wurde: “Das ist …