allerArt, Interview
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„Verzeihung, ich bin es“

War ein nahtloser Übergang von der Ausstellung „Heidelberg surreal“ zu „Heidelberg trifft Berlin – Urbane Leerstellen füllen“ geplant?

Zunächst wurde für uns immer offensichtlicher, dass es in Heidelberg zu wenig Möglichkeiten für Kulturschaffende gibt, sich frei zu entfalten. Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass Berlin junge Künstler mit offenen Armen empfängt… Als sich die Möglichkeit ergab, im Berliner Kunsthaus P:142 auszustellen, ging alles ganz schnell.

Das Thema „Urbane Leerstellen füllen“ knüpft an „Heidelberg surreal“ an. Ziel beider Ausstellungen ist es, eine neue Perspektive auf urbane Räume zu entwickeln und mit den gewohnten Sehgewohnheiten zu spielen. Unser Anliegen ist es, das Thema „Heidelberg surreal“ zu vertiefen, doch möchten wir mit dieser Ausstellung das Thema auch ganz neu interpretieren und bewusst auf die Missstände im Heidelberger Raum aufmerksam machen. Das zeigt sich sowohl im temporären Ortswechsel wie auch in der Medienvielfalt

Wie war die Resonanz auf Eure Ausstellungspläne im Vorfeld?

Wir haben die Berliner Ausstellung mit zwei Pre-Vernissagen in Heidelberg vorangekündigt, um die ausgewählten Künstler dem Heidelberger Publikum vorzustellen. Die Reaktionen der Besucher und auch der Presse waren sehr gut. Die Veranstaltung in der Galerie Melnikow und der Buchhandlung Himmelheber sowie die Vernissage in der Maria Magdalena haben darüber hinaus dazu beigetragen, dass die Problematik der fehlenden Möglichkeiten im Heidelberger Raum für junge Künstler und Kulturschaffenden ins Bewusstsein der Stadt vorgedrungen ist. Das Thema „Urbane Leerstellen füllen“ hat viele angesprochen.

Nach welchen Kriterien habt ihr schließlich die Künstler ausgewählt?

Wir haben die Künstler natürlich zum einen danach ausgewählt, ob ihre Arbeiten ihrer Qualität und Innovation nach überzeugen. Doch vor allem ging es uns darum, dass sich die Künstler mit dem vorgegebenen Thema „Urbane Leerstellen füllen“ auseinandersetzen. Gemeint ist, was sie sich für die Vorgespräche bereits als Konzept überlegt hatten und inwieweit diese Ideen für Berlin umsetzbar waren. Davon haben wir abhängig gemacht, wer in die Ausstellung  aufgenommen wird.

Zudem ist es uns wichtig, dass nicht nur die Kunstwerke thematisch zu unserem jeweiligen Konzept passen, sondern auch die Chemie zwischen den Künstlern und Kuratoren stimmt. Einige der Künstler, die nun dabei sind, waren beispielsweise bereits Teil der vorherigen Ausstellung „Heidelberg surreal“. Sie sind nun wieder dabei, da uns ihre Arbeiten überzeugen und die Zusammenarbeit mit ihnen besonders gut funktioniert hat.

Destati, aufgeweckt, der Mensch, der niemals still steht und bereit ist, sich selbst voran zu treiben. Der Mensch als Rotor, als maschineller Komplex, versteht es, sich in seiner Umgebung immer neu zu erfinden und besser zu sein, als er ist. Destati, aufgeweckt, der Mensch schläft nicht, er wacht.

Benjamin Burkard

Es geht in meinen Fotografien vornehmlich darum, dass verklärte Bild des romantischen Heidelbergs aufzubrechen und eine neue Perspektive auf hiesige urbane Räume zu gewinnen. Meine Fotografien spiegeln zum einen die Hoffnungslosigkeit vieler junger Kunstschaffender der Region, entbehren aber gleichzeitig nicht einer gewissen Zuversicht, dass sich die scheinbaren Gegensätze einer schmucken traditionellen Stadt mit ihrem kulturellen Erbe und einer jungen urbanen Kunstszene vereinen lassen.

Alisa Duerr

In Leerstellen passiert viel. Alles geschieht wie von selbst und unsichtbar. Etwas funktioniert – elektrisch, maschinell, automatisch, praktisch und schnell. So werden Stromzähler, Steckdosen und Wasserleitungen zu zentralen Verteilerstellen von Unsichtbarem, die als Vermittler von Unsichtbarem dienen.

Sabine Fessler

Leere Erotikchaträume auf Bettwäsche gemalt mit Brailleschriftpixelfehlern zeigen, wovon der Voyeur im Internet ausgeschlossen ist: Berührung.

Alexander Ginter

Das Auge ein Abgrund, dem staunend allein der Blick entsteigt: umtost von Bildern, die ihm entgegenstürzen, – jäh… wie aus andern Tiefen.

Alexander Helten

In einer Stadt entwickelt jeder seine eigene Welt. Mein Mannheim ist laut und leise, fröhlich und frustrierend, stets ambivalent und dennoch interessant.

Jonas Jahns

Ein kleiner Einblick in die KaugummiAutomatenGegenwelt.

Anna Lebedeva

Du bist der Bürger. Verzeihung, ich bin es. Mach dich auf, öffne dich. Und du merkst nicht, dass der Bürger neben sich steht. Außerdem andererseits genauso.

Philipp Müller

Das Bild „Die Heilung“ habe ich 2009 fertiggestellt. Es zeigt mich selbst mit einer Reihe von Tieren, die ich in meiner Kindheit bis jetzt um mich hatte. Die Tiere heilen meinen Körper, indem sie meine Organe herausnehmen, sie „reparieren“ und sie teils bereits wieder einsetzen.

Dominik Schmitt

Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit war die Auseinandersetzung mit den Städten Heidelberg und Berlin. Dies passiert auf unterschiedliche Weisen mittels unterschiedlicher Medien und Farbigkeiten. Und dazwischen ist die Reise. Diese Leertstelle zwischen Abreise- und Ankunftsort ist etwas Ungreifbares, Flüchtiges, Unsichtbares und zugleich Zeitloses, was durch grafische Notationen, welche unterwegs entstehen, sichtbar gemacht werden.

Alicia Hernández Westpfahl

Die Ausstellung „Heidelberg trifft Berlin – Urbane Leerstellen“ füllen ist bis 16. Oktober 2011 im Kunsthaus P:142 in Berlin zu sehen.

 

 

 

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