Seit April wird wöchentlich ein neues Video von Art City Hamburg online gestellt, das gleich auf mehreren Seiten im Netz zu sehen ist: Neben der offiziellen Hompage und einem YouTube-Channel, gibt es einen Blog auf der Internetpräsenz von art. Das Kunstmagazin. Ziel des Podcastformats ist es, „spannende Wechselwirkungen zwischen Kunst und Künstler“ offen zu legen.
Die Protagonisten sind drei Studierende der Hochschule für Bildende Künste Hamburg: Konzeptkünstlerin Elisabeth „Esla“ Kroppheim, Mixed-Media-Artist Christian „Bob“ Pfeiffer und Malereistudent Julian Wilhelmi. Es sind bereits 27 Folgen, mit meist zwei bis drei Minuten Länge, in zwei Staffeln entstanden. Der Zuschauer begleitet die Künstler auf Vernissagen und verfolgt Gruppengespräche über neue Arbeiten, bekommt darüber hinaus aber auch Einblicke in den Alltag und das Privatleben der Studierenden. So werden neben Problemen bei der Organisation der Jahresausstellung in den Räumlichkeiten der Hochschule und Besprechungen mit fiktiven Professoren auch private Ausflüge an den Boberger See und zwischenmenschliche Probleme gezeigt.
ART CITY | HAMBURG SCENE – Folge 12 (Staffel 1) Aufbau der Jahresausstellung
Das selbsternannte Ziel, erhellende Einblicke in die Beziehung zwischen Künstler und Werk zu geben, gelingt dabei nicht immer. Wer das Gezeigte für bare Münze nimmt, wird enttäuscht sein. Art City Hamburg ist keine Dokumentation, sondern erinnert vielmehr an „scripted reality“‒ Serien bei Pro Sieben à la Abschlussklasse 2003 oder Freunde – das Leben beginnt, bei denen (Laien‑)Schauspieler Schulabgänger mimen.
Der Podcast setzt sich allerdings von den vorgetäuschten Dokumentationen insofern ab, als er den Akademiealltag nicht nur imitiert, sondern auch parodiert. Und dies auf eine durchaus erfrischende und humorvolle Art und Weise, wie besonders schön in der dritten Folge der zweiten Staffel Lesen, Schwimmen, Reiten zu sehen ist. In dieser Folge stellt Julian Wilhelmi Professor Rothenbach seine neuesten Arbeiten vor, die der Professor kritisch begutachtet und den Studenten schließlich „beschenkt“: Rothenbach verwandelt ein gewöhnliches Pferd unter Zuhilfenahme eines Permanentmarkers in ein Einhorn. Wie könnte Wilhelmi also nicht unendlich dankbar für dieses magische „Präsent“ sein?
Aber nicht nur Kunst spielt bei Art City Hamburg eine Rolle; der Zuschauer erfährt etwa auch, dass Esla ein Hypochonder ist, der glaubt eine Wunde am Finger sei Krebs. Nach einer erleichternden Diagnose des Arztes wartet schon das nächste Problem auf die angehende Konzeptkünstlerin: Die Kommilitonen Julian und Christian entdecken ein intimes Geheimnis in Eslas Sketchbook und ziehen sie aufgrund dessen auf – (angehende) Künstler sind eben doch nur Menschen, das beruhigt.
Wer das Gefühl hat, eine kurze Pause einlegen oder etwas gegen Langeweile tun zu müssen und auch nicht allzu viel Ernsthaftigkeit oder Glaubwürdigkeit erwartet, kann sich mit Art City Hamburg ruhigen Gewissens eine kurze Auszeit gönnen.



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2 Kommentare
Hey, ich finds genial! Und das alles in vertrauter Umgebung… Das könnte mein neues Suchtmittel werden…!
Inwiefern „vertraute Umgebung“?