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Noch kein Selbstläufer

Die Kunst wird uns retten, wovor?

Vor Verdummung und vor Eintönigkeit. Kunst treibt uns Menschen an, Altes neu zu denken und Neues zu wagen. Momentan rettet die Kunst gerade Hamburg vor dem kulturellen Ausverkauf. Dafür ist unter anderem die Gängeviertel-Initiative „Komm in die Gänge“ ein gutes Beispiel.

Nicht nur einmal wurde die Kunst totgesagt. Wie steht es also um den Umkehrschluss „We will save Art“?

An uns, das ist die neue Generation Kunsthistoriker, ist es gelegen, Kunstgeschichte neu zu denken und in eine neue Richtung zu führen. Gerade in diesem Moment wird Kunst wahrscheinlich mal wieder totgesagt… durch Internet, iPods und Video. Und genauso wird in schöner Regelmäßigkeit doch auch das Interesse an Kunst totgesagt. Es ist also an uns Kunstgeschichtsstudenten, Museen, Ausstellungen und Kunst neu zu definieren – dazu gehört auch, altes über Bord zu werfen, manchmal radikal zu sein und nicht immer Kompromisse einzugehen. Manchmal sind wir uns dessen noch nicht bewusst. Auf dem KSK ist das möglich: Da wird deutlich, dass wir Kunstgeschichtsstudenten besser miteinander vernetzt sein sollten. Wir erhoffen uns mögliche Antworten auf diese Frage während des Kongresses, zum Beispiel bei dem Workshop von Roger Behrens über den „vermeintlichen Verfall der Kunst und wie sie zu retten ist“.

Die Organisatorinnen des 77. KSK in Hamburg.

Die Organisatorinnen des 77. KSK in Hamburg.

Das Team vom 76. KSK in Köln bestand aus zwei Studierenden. Konntet Ihr Euch über mehr Unterstützung bei den Vorbereitungen freuen?

Wir hatten das Glück, dass wir Organisatorinnen uns schon gefunden hatten, bevor wir für den KSK kandidiert haben. Wir wussten alle, dass wir das machen wollen – wir konnten uns also sehr gut darauf einstellen. Und mit sieben Leuten lässt sich natürlich viel mehr schaffen als zu zweit. Die Kölnerinnen haben unseren höchsten Respekt, denn zu zweit ist ein KSK eine unglaubliche Arbeit.

Zum Glück haben sich auch schon viele Studierende unseres Instituts gemeldet, die beim KSK mit anpacken werden, das ist wichtig und freut uns sehr. Danke Hamburger Mädels und Jungs!

Wie habt Ihr Euch und die Veranstaltung organisiert?

Das Thema war uns schon vor der Kandidatur klar und danach haben wir uns in Orgagruppen von zwei bis drei Leuten aufgeteilt. Einmal wöchentlich haben wir uns in der Regel getroffen, um Informationen auszutauschen, neue Aufgaben zu verteilen und Entscheidungen im Plenum zu treffen. Drei von uns waren bzw. sind in der Zwischenzeit im Ausland gewesen; sie waren durch den E-Mail-Verkehr immer auf dem aktuellen Stand, konnten also mit entscheiden und haben Aufgaben übernommen, die via Mail erledigt werden konnten.

Wie seid ihr an die Referenten gekommen?

Wir haben einen Call for Papers gestartet und mit Flyern und E-Mails versucht, alle kunsthistorischen Institute in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erreichen.

Das Werbematerial.

Das Werbematerial.

Habt ihr viel Werbung für den Call for Papers gemacht oder ist der KSK mittlerweile ein Selbstläufer?

Nein, der KSK ist sicher noch kein Selbstläufer. Viele Kunstgeschichtsstudenten wissen immer noch nicht, was der KSK ist – das bedeutete viel Aufklärungsarbeit für uns. Wir können unseren Text inzwischen im Schlaf. Viel Energie haben wir in die Werbung gesteckt und haben Flyer, Poster und unsere Homepage auffällig gestaltet. Wir schreiben immer wieder E-Mails über alle Verteiler und an alle Adressen, die uns vielversprechend erscheinen. Wir haben auch versucht, so viele Leute wie möglich persönlich anzusprechen, also ein persönliches KSK-Netz in den ganzen deutschsprachigen Ländern aufzubauen, damit nicht immer dieselben Institute auf den KSKs vertreten sind. Denn der KSK ist etwas, das man erst schätzen lernen muss; wir haben das Gefühl, dass es Institute gibt, an denen der KSK sehr bekannt ist und es daher normal ist, dass jeder Student dort mindestens einmal hingefahren ist. Und es gibt Institute, an denen weiß niemand, was der KSK ist und von dort kommen dann leider auch nur selten Studierende.

Wir selbst haben den KSK auch nur kennengelernt, weil Freunde sagten, es sei gut dort, wir sollten unbedingt einmal hinfahren. Es kostet einen Studenten in der Regel ein wenig Überwindung für etwas, das er nicht kennt unter Umständen durch ganz Deutschland zu fahren, ohne eine Ahnung davon zu haben, was einen dort erwartet. Deswegen ist für den KSK die Mundpropaganda so wichtig. Wenn Studierende davon ihren Freunden erzählen und diese dann das nächste Mal die Reise auf sich nehmen… Und auch nur so kann er weiter bestehen, denn es muss ja jedes halbe Jahr wieder eine Gruppe Studierender gefunden werden, die den KSK ausrichten möchte und das soll freilich nicht nur in einer Hand voll Städten sein.

Inzwischen steht das Programm. Nach welchen Kriterien habt ihr die Vortragenden ausgewählt?

Wir konnten aus einer recht hohen Anzahl von Einsendungen auswählen und die allermeisten waren gut, so dass uns die Auswahl sehr schwer fiel. Wir haben schließlich auch mehr Vorträge ins Programm aufgenommen, als wir anfangs geplant hatten.
Bei der Auswahl haben wir versucht, so viele Kriterien wie möglich mit einzubeziehen. Übereinstimmung mit dem Thema, inhaltliche Brisanz, Vielseitigkeit und eine gewisse Gleichberechtigung zwischen zeitgenössischer, moderner und älterer Kunst.
Außerdem wollten wir Vorträge von Studierenden von möglichst unterschiedlichen Universitäten, in möglichst unterschiedlichen Fachsemestern und mit möglichst unterschiedlichen Ansätzen. Jede von uns hatte natürlich auch ihre Favoriten. Wir haben versucht, mit einem Punktesystem eine erste Tendenz herauszuarbeiten, aber schlussendlich wurde es dann doch in einer Diskussion entschieden.

Wir hoffen natürlich, dass die Leute, die wir dieses Mal leider nicht berücksichtigen konnten, nicht den Mut verlieren und sich beim nächsten KSK wieder bewerben. Denn wir konnten viel zu viele spannende und interessante Themen leider nicht mit ins Programm nehmen.

Was erwartet ihr selbst von der Veranstaltung?

In unseren schlimmsten Momenten erwarten wir unser totales Versagen und dass nichts funktionieren wird. Aber die meiste Zeit sind wir euphorisch und können den KSK kaum erwarten.

Wir wollen viel und kontrovers diskutieren. Der Titel der diesjährigen Veranstaltung ist Produkt unsrer Reflexion des vergangenen und des laufenden Jahres. Besonders der diesjährige Bildungsstreik hat uns Fachschaftsaktive über unsere eigene Position und Aufgabe nachdenken lassen und momentan ist diese Hinterfragung des status quo auch wieder sehr aktuell, wenn man beispielsweise einen Blick auf die Wiener Studierendenproteste wirft.

Daher soll der KSK jenseits der Vorträge vor allem auch wieder stärker als Vernetzungsplattform genutzt werden.

Der Kunsthistorische Studierenden Kongress findet vom 26.-29. November 2009 in Hamburg statt. Das Programm und weitere Informationen findet ihr hier.

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