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    Übermorgenkünstler

    Making Of: „Jockey dansen“

    „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, wusste schon Karl Valentin zu berichten. Für sein Werk „Jockey dansen„ nahm Florian Klette Tanzunterricht beim Kurator der Ausstellung „Übermorgenkünstler„. Klette kommentiert für uns die Entstehung seines Beitrags, ein Rollenspiel in Jankowskischer Manier.

    25.11.2009

    Benedikt Fahrnschon, Redaktion Dokumentation: Florian Klette

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    „Mich hat es sauer gemacht, wenn bestimmte Schritte immer noch nicht geklappt haben. Gegen Ende unserer Probenzeit galt es nun, locker zu lassen und in der Schlusskür so gut zu tanzen, wie ich nach drei Tagen Probe eben tanzen konnte“, sagt Florian Klette über die Vorbreitungsphase zu seinem Video „Jockey dansen„, das derzeit in der Ausstellung „Übermorgenkünstler„ im Heidelberger Kunstverein zu sehen ist.

    Durch Recherchen über die Vita des Direktors, Johan Holten, erfuhr er von dessen Ausbildung zum Balletttänzer in Kopenhagen und bewarb sich mit dem Projekt, eine seiner Choreographien nachzutanzen. „Klette wollte nicht nur ein schnelles Bild, sondern das Thema aufarbeiten“, kommentiert Holten die Proben mit dem Jankowski-Schüler. Teil des Werkes sind das Bewerbungsschreiben für die Ausstellung, das Video mit Ausschnitten aus den Proben und die einstudierte Choreographie; die Genese des Ballettanzes, die Dokumentation der Proben und die Choreographie bilden dabei das eigentliche Kunstwerk.

    Trotz aller Unterschiede zur gewohnten künstlerischen Tätigkeit, gibt es für Klette Gemeinsamkeiten zwischen Artistik und bildender Kunst: „ Für mich sind die Grenzen verschwommen, welche die Probenarbeit an einem Ballettstück von einer konzeptuellen künstlerischen Arbeit unterscheidet.“ Interessiert habe den Künstler, der eigentlich Bildhauerei und nicht Medienkunst studiert, die Arbeit mit dem Ausstellungsort und insbesondere das ungewöhnliche Rollenspiel in Jankowskischer Manier:

    „Die Lehrer – Schüler Situation spiegelt die KÜNSTLER – KURATOR  Situation auf einer anderen, neuen Ebene, auf welcher wir uns in ungewohnten Rollen begegnen. In dieser Unprofessionalität steckt das Potential des Projektes.“

    Allerdings ergab sich für Klette auch die Auflösung der Hierarchie zwischen Künstler und Kurator, die durch „eine Gleichstellung innerhalb des Projektes entstand, forciert durch den Gegenstand des Balletts“. Dabei stellte der Tanz für den Künstler eine Hürde dar, die es zu überwinden galt, hatte er doch zuvor nie klassisches Ballett getanzt:

    „Gerade langsame Bewegungen bewusst zu führen und dabei die  Spannung nicht zu verlieren, war sehr schwer –  mir wurde plötzlich klar, warum ein Tänzer diese Übungen vom Kindesalter auf bis zum Ende seiner Karriere jeden Tag praktizieren muss.“

    Entscheidend für die Auseinandersetzung mit der Kunst des klassischen Balletts anstelle des modernen Tanzes war für ihn die Konfrontation mit bislang Unbekanntem:

    „Der Kontrast zwischen der Möglichkeit, die einzelnen Bewegungen in die Perfektion zu treiben und meinem körperlichen Unvermögen ist sehr stark – man kann sich sehr gut daran brechen, eine moderne Choreographie hätte nicht so viel Deutlichkeit mit sich gebracht.“

    Klette studiert an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in der Klasse des renommierten Medienkünstlers Christian Jankowski. Bisher nahm er an mehreren Ausstellungen, etwa im Richmond Art Center, im Württembergischen Kunstverein und in der Alten Messe Stuttgart teil. Außerdem ist im Kunstmuseum Stuttgart eine fünfteilige Digitalfotografieserie von Klette zu sehen.

    Der Künstler tanzt und spricht darüber

    Florian Klette kommentiert für uns einzelne Bilder zum Making Of des Videos:

    Für die Proben zu „Jockey dansen„ stehen lediglich drei Übungstage à 4–6 Stunden zur Verfügung.

    Die Übungen an der Barre bilden die Basis für die gesamte Bewegung eines Tänzers. Mit den Beugeübungen, Plié, werden Körperspannung, Balance und kontrollierte Bewegung einstudiert.

    kjl

    Am ersten Übungstag werden die ersten 30 Sekunden der Choreographie einstudiert, so dass darauf bei den folgenden Proben aufgebaut werden kann. Die Elemente sind: Plié, Pas de chats und Chassé-tombé.
    Bei dieser Position ist darauf zu achten, dass die Füße des Tänzers nach außen hin ein Rechteck bilden.

    kl

    Am dritten Übungstag werden Details, wie das Strecken des Beines auch bei schnellen Seitwärtssprüngen, verfeinert. Um dem ständigen Ausgleiten auf dem harten Boden der Ausstellungshalle vorzubeugen, werden die Schuhsohlen, nach einem Tipp des Lehrers, mit Cola getränkt.

    dada

    Ein „Changement“ während dem Sprung. Hierbei werden die Füße während dem Sprung hinterkreuzt und somit Vorder‑ und Hinterposition gewechselt.

    kjlk

    Bei notwendigen Pausen ist darauf zu achten, dass der Körper nicht auskühlt, lieber auf und ab gehen als sitzen oder liegen.

    <p>dada</p>

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