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Mach es selbst

Max Schulze stört sich nicht daran, dass es mit Tocotronic im 21. Jahrhundert heißt „mach es nicht selbst“. Stattdessen orientiert er sich an der Do-it-yourself Bewegung des Punk der 1970er Jahre und bearbeitet die ‚Leinwand‘ mit einem Hammer. Das Ergebnis des Kampfes Künstler gegen Hartfaserplatte ist derzeit im Bonner Kunstverein zu sehen.

8. Mai 2010

Anika Meier

Heidelberg

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„Skrow. CHOOK! Brakka CHOOM!“ Superman und Lex Luthor lassen hier nicht die Fäuste fliegen, vielmehr ließ Max Schulze Hammer und Gedanken auf die Leinwand prallen. Das Ergebnis des Kampfes Künstler gegen Hartfaserplatte ist derzeit im Bonner Kunstverein in der Gruppenausstellung „Fotografie, Malerei, Skulptur“ zu sehen ‒ blank, ohne Bildunterschriften oder Wandtexte. Stattdessen wabert eine Geräuschkulisse über den versehrten Platten, Löcher klaffen, die Fetzen fliegen, so dass man meint, noch den Einschlag des Hammers zu hören. Seine Bilder, die sich zwischen Collage, Gemälde und vielleicht auch Skulptur bewegen, verkörpern „optische Geräusche“, so Schulze. „SPLAAAMMMM Ping Ping“ klingt es in den Ohren, während man die hochformatige Hartfaserplatte ‒ wie fast alle Werke „o.T.“ ‒ betrachtet, die an eine Winterlandschaft im Krieg erinnert; verbranntes Holz scheint verstreut auf dem Boden herumzuliegen, an einigen Stellen scheint Rauch aufzusteigen.

Die Fetzen fliegen.

Das Bild ist wie die 14 weiteren groß- und kleinformatigen Arbeiten eines des Untergangs. Der 1977 in Herdecke geborene Schulze hat einen eigenen „Soundtrack zum Untergang“ geschrieben, aus dem die zitierten Soundwörter und Comicgeräusche stammen. Durch die Aneinanderreihung dieser Wörter entsteht wiederum ein in dadaistischer Tradition stehender Text. „Soundtrack zum Untergang“ ist aber auch der Titel eines Punkrock-Samplers aus dem Jahr 1980, der nach einer Beschlagnahmung zensiert werden musste. Der ursprüngliche Text wurde durch einen Hup-Ton übertönt. Schulze zerstört nun in seinen Werken die Hartfaserplatte, macht sie unkenntlich, um sie anschließend zu bekleben, zu bemalen oder einfach nur, um ein Loch beziehungsweise eine Leerstelle zu präsentieren, die gerne einmal aussehen kann wie eine Comicsprechblase. Schulzes Werke tragen die Handschrift der Do-it-yourself-Bewegung des Punk der 70er Jahre, Perfektion ist nicht sein, vielmehr der Wille zur Zerstörung. Im 21. Jahrhundert mag es zwar mit Tocotronic wieder lauten: „Mach es nicht selbst/Auch wenn du dir darin gefällst“, davon lässt sich Schulze aber nicht abhalten. Er gefällt sich darin, immer und immer wieder einen Hammer in die Hand zu nehmen.

Eine solch bodenständige Sichtweise der Schulzeschen Heimwerkerei für die Kunstvereinswand wird versucht, mit dem zu philosophischen Höhenflügen einladenden Ausstellungstitel „Unmarked State“ zu umgehen. Nach Niklas Luhmann ist der „unmarked state“ der Zustand der Welt vor einer sie zerschneidenden Form beziehungsweise Beobachtung. Schulzes Bilder zeigen aber gerade wortwörtlich einen Zustand der Welt nach einer sie zerschneidenden Form. Vielleicht hätte sich der Immendorff-Schüler besser mit nur einem großen Namen zufrieden geben ‒ nämlich dem seines Lehrers ‒ und auf die Kraft der eigenen Bilder vertrauen sollen, die auch ohne philosophischen Überbau wunderbar funktionieren.

Die Ausstellung „Unmarked State“ ist im Rahmen der Gruppenausstellung „Fotografie Malerei Skulptur“ noch bis zum 13. Juni 2010 im Bonner Kunstverein zu sehen.  

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