Monate: Juli 2016

Ich möchte Teil einer Mädchenbewegung sein. Die vierte Welle des Feminismus pretty in pink

Das Netz kennt kein Erbarmen. Selbst wenn ein Sachverhalt aus dem Kontext gerissen ist. Wie ein einzelner Tweet. Wie ein Text über Feminismus von der Autorin Ronja von Rönne, die sich wenig dabei dachte, als sie viel zu viele unbedachte Worte und wenige durchdachte Argumente dafür fand, warum der Feminismus sie so sehr anekelt. Egoistin sei sie, keine Feministin, legte sie los, media in res, Feminismus klinge ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat, braucht niemand, schrieb sie, und bretterte mit Vollgas mitten in den Shitstorm. Das Netz wollte sich lange nicht beruhigen, und der Netzfeminismus zeigte ihr, dass die Abneigung auf Gegenseitigkeit beruht. Verstörend inhaltsleer kämpfe der Netzfeminismus um Klicks, sagte sie. Und war schneller zur bekanntesten Anti-Feministin geworden, als sie das Buch „Fleischmarkt“ der Feministin Laurie Penny hätte lesen können. Von allen Seiten muss der Netzfeminismus Kritik einstecken, besonders die neue Generation feministischer Künstlerinnen, die in den sozialen Medien wie Tumblr und Instagram ihr Ausdrucksmedium gefunden hat. Aber ist das tatsächlich nur eine Egoshow von Narzisstinnen, die sich im Web 2.0 ihre eigene Bühne …

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Monsieur Houellebecq sucht das Glück. “Rester vivant” im Palais de Tokyo

Michel ist 15, und er möchte mit Sylvie tanzen. Aber Sylvie tanzt lieber mit Patrice. Was klingt wie eine Story aus „La Boum„, ist eine Anekdote, die der Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem Buch „Rester vivant“ von 1997 erzählt. Das Erlebnis ist in Wirklichkeit eine Epiphanie für den jungen Michel. Denn in der Jugenddisco erlebt er zum ersten Mal, dass Schönheit und Leid ganz nah beieinander liegen. Damit benutzt Houellebecq Wörter, die man kaum ohne Scham ausspricht, und erzählt einen Künstlermythos, den man für längst überholt hielt: Wer leidet, hat das Wichtigste, das man als Dichter braucht. „Rester vivant“, am Leben bleiben, heißt auch die Ausstellung, die Houellebecq im Palais de Tokyo gemacht hat. Man könnte glauben, der Schriftsteller hätte sich in seiner Ausstellung einen Scherz erlaubt. Als hätte er sich einen Künstler ausgedacht, der fotografiert, Installationen macht und damit in eines der wichtigsten Häuser für Gegenwartskunst in Europa kommt. Eine Persiflage auf den Kunstbetrieb, wie sein Roman „Karte und Gebiet“. Für Unwohlsein sorgt erst einmal die Ausstellungsarchitektur. Die Wände sind in einem Dunkelgrau gestrichen, das wenig …