Monate: September 2015

Ein Rundgang durch die Alte Post. Die Parallel Vienna 2015

Zehn Minuten vor der Pressekonferenz läuft der Drucker heiß, denn die Presseinformationen müssen noch gedruckt werden. Zahlreiche Helfer laufen im Eingangsbereich der Alten Post in Wiens erstem Bezirk hin und her, fegen den Boden, tragen Wassereimer aus dem Raum, schieben Boxen Richtung Bühne und verlegen Kabel. Als die Pressekonferenz mit einiger Verspätung schließlich beginnt, entschuldigt sich Stefan Bidner, der Artistic Director der Parallel Vienna, es sei ein junges Projekt, sympathisch, aber eben auch noch etwas chaotisch. Das mache den Charme und die „angenehme Atmosphäre“ aus, betont er. Zum dritten Mal findet die Parallel Vienna jetzt statt. Bisher wurde jedes Jahr nach einer neuen Location gesucht. Das soll sich in Zukunft ändern, denn die Organisatoren wünschen sich einen fixen Ort für die Veranstaltung, die Messe, Galerie, Kunsthalle und Atelier zugleich sein will. Auf einen Open Call wurde verzichtet. Die Künstler wurden direkt eingeladen, damit die Qualität gesichert ist. Bewerbungen auf Ausschreibungen kämen immer viel zu viele rein und das auch eher von der Hobbymalerfraktion, erklärt Kaveh Ahi, einer der Mitbegründer der Parallel Vienna. Deshalb habe man …

Heather Cassils
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photo: Heather Cassils with Robin Black
Courtesy Ronald Feldman Fine Arts, New York

Nackt geboren. „Homosexualität_en“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin

“Homosexualität wird museumsreif”, meldet die dpa. Freilich gibt es das Schwule Museum in Berlin schon lange, nämlich seit den Achtzigern. Aber das scheint eher eine Randerscheinung zu sein, könnte man meinen. Also weit weg von der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Wo genau das ist, weiß eh keiner so genau, aber man kann schon gefahrlos behaupten, dass das Deutsche Historische Museum in Berlin der Mitte ziemlich nahe kommt. Von Jens Bisky in der Süddeutschen als verlässlich langweilig bezeichnet, zeigt das DHM gerne Ausstellungen, die einem Bildungsauftrag nachkommen. Zum Glück ist die Ausstellung “Homosexualität_en,” eine Kollaboration vom Historischen Museum und dem Schwulen Museum, nicht allzu didaktisch ausgefallen. Ohne einen kleinen Skandal geht es auch nicht: Schon vor der Ausstellung gab es Ärger um das Ausstellungsplakat. Das Plakat zeigt ein Foto von der Performancekünstlerin Heather Cassils, nachdem sie sechs Monate lang Gewichte gestemmt hat. Ob man nicht einfach ganz normale Schwule zeigen könne, hieß es. Gerade das will der Plural im Titel der Schau aber sagen: Es gibt eben nicht die eine, ganz normale Homosexualität, sondern viele verschiedene. Es gibt …

Nächste Haltestelle: Parallel Vienna 2015

Nach der Messe ist bekanntlich vor der Messe. Gestern ging die Berlin Art Week mit ihren beiden Messen, der art berlin contemporary (abc) und den Positions, zu Ende. Und während die Stände in Berlin gerade abgebaut werden, wird in Wien für die Parallel Vienna aufgebaut. In der Stadt von Thomas Bernhard und Alfred Hrdlicka findet die Messe dieses Jahr zum dritten Mal statt. Passend zum Titel der kuratierten Gesamtschau Another Destination ist der Ausstellungsort eine leerstehende Immobilie in der Innenstadt. Die Alte Post in Wiens erstem Bezirk wird ab Mittwoch zur Plattform für Gegenwartskunst. Die teilnehmenden Galerien, Künstler und Kuratoren wählte das Parallel Vienna Kuratorenteam aus. Es werden junge so wie bereits etablierte künstlerische Positionen zu sehen sein. Die Parallel Vienna, so steht es in der Pressemitteilung, „bündelt die urbanen Kräfte zeitgenössischer Kunstproduktion und bietet einen Einblick in die unterschiedlichen Szenen, Communities und Schauplätze der Stadt Wien.“ Die Parallel Vienna will aber mehr als eine Messe sein. Sie versteht sich als Kunsthalle, Messe, Galerie und Atelier. Weiter heißt es dort: „Als Metaorganisation, die das Prinzip des Do-It-Yourself …

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Der Preis der Nationalgalerie ist kaputt

Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst ist kaputt. Nicht ganz. Aber zwei von vier Werken wollen nicht, wie sie eigentlich sollen. Die Buttermilch probt und das iPad streikt. Ich frage die Aufsicht beim kaputten iPad, einer Arbeit von Christian Falsnaes, ob nicht wenigstens die Probe bei der Buttermilch unterbrochen werden könnte. Denn dann könnte man den Raum mit dem Werk von Anne Imhof wieder öffnen – und statt der Hälfte der Werke wäre nur noch ein Viertel nicht zu sehen. Das könne sie nicht entscheiden, sagt sie, ich solle mich am Infostand beschweren, dann käme es ganz oben an. Mit dem Finger zeigt sie in die Luft, nach oben, um ihren Worten mehr Gewicht zu verleihen. Ich verstehe, sehe aber davon ab. Und während ich langsam den Raum verlasse, um wieder auf die andere Seite des Hamburger Bahnhofs zur Buttermilch zu gehen, erzählt die Aufsicht ihrem Kollegen, wie verärgert, gar sauer all die Besucher seien. Auf der anderen Seite angelangt, frage ich die dort zuständige Aufsicht, wie die Lage bei der Buttermilch sei und ob er …

Monochrome Farbklänge. Günther Förg in Hamburg

„Kann man super zu Hause nachmachen!“, lautet einer der Kommentare auf Instagram zu einer Ansicht der Ausstellung Günther Förg – Wandmalerei in den Hamburger Deichtorhallen. Tatsächlich hatte der Künstler Günther Förg nach seinem Studium an der Kunstakademie in München sein Geld als Anstreicher verdient. Und die erste Wandmalerei entstand in den späten 70ern in der Wohnung eines Freundes. Die zweite dann in den eigenen vier Wänden in der neu renovierten Wohnung in München. Er bemalte die rechte Hälfte einer Wand mit gelber Farbe. In der Ausstellung sind jetzt 25 von etwa 140 seiner Wandmalereien  zu sehen. Darunter auch der Wandteiler in Rapsgelb aus dem Jahr 1978. Günther Förg ist 2013 verstorben. Deshalb musste die bereits geplante Ausstellung post mortem realisiert werden. Wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist, freute sich der Künstler auf die Ausstellung in den Deichtorhallen. Dieses Statement soll sicherlich den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die sich fragen, warum die Ausstellung nach dem Tod des Künstlers überhaupt umgesetzt wurde. Den Anstrich der Wände mussten nämlich Maler besorgen. Aufgetragen wurden die Farben …