Monate: Juni 2015

Claerbout_radio_piece_1

Es menschelt gar nix. Die RAY-Fotografieprojekte in Frankfurt

“Dass die faktische Abbildung von Realität in jeder Kunstform ein Trugschluss ist, ist allgemein bekannt,” wird der Leser des RAY-Katalogs zu Beginn belehrt. Weiß ich, denkt man sich. Aber irgendwie muss der epistemische Zweifel an der Fotografie nochmal als Mantra vorangestellt werden, denn trotz allem ist da noch eine Erwartung an Fotografie. Denn Fotografie ist immer noch das bevorzugte Medium der Reportage, so als könnte sie das Entfernte und Unzugängliche nah heranholen. „Imagine Reality“ ist der Titel der zweiten Ausgabe der Fotografieprojekte Rhein-Main, eine Leistungsschau zeitgenössischer Fotografie in und um Frankfurt. Es geht um die vorgestellte Realität, oder doch eher um gar nichts, wie Clemens Meyer im Vorwort „Imagine GARNIX“ zum Katalog proklamiert. Was ist los mit dem dokumentarischen Wert von Fotos? Ein wenig bleibt von der Reportagefotografie: Lucas Foglias  Bilder aus dem Mittleren Westen der USA erinnern an die Zeit der großen Depression in den 1930ern. Die Farm Security Administration beauftragte Fotografen, die Armut auf dem Land zu dokumentieren. Foglias Figuren sind einsam in menschenleeren Landschaften. Ein Mann zielt mit einem Gewehr auf eine Kuh, die ganz …

A lot of White, a lot of Wood, a lot of Beds. Instagram and Photography

Ryan McGinley has a dog now, and his name is Dick. The owner is pleased whenever someone loudly calls Dick. The dog roams about Instagram as #dickthedog, and he and his owner have more than 70,000 followers. Beyond the app, Ryan McGinley is known as the photographer who was the youngest artist to have a solo show at The Whitney. In the late 90s, he periodically traveled the country with kids of his age. The iconic photos he took on these road trips captured a generation of young Americans as they weightlessly glided across meadows, tumbled through the air, and buzzed through the night. The images told of adventures, of coincidences, and of sheer possibilities. In social media, McGinley rarely shows his own work. Dick has become the main character frolicking across meadows, climbing rocks, or taking a bath in a river or brook. It is a bit like everywhere else on Instagram, one might very well think. There is the pet, everyday life, and very little photography. Indeed, there are only a few well-known photographers …

6 Highlights der 6. Triennale der Photographie in Hamburg

Sieben Museumsausstellungen und zahlreiche Special und Satellite Shows sind bei der Triennale der Photographie in Hamburg an über 50 Orten in der ganzen Stadt zwischen dem 18. und 28. Juni zu sehen. Fast alle der Museums- und Galeriausstellungen laufen danach noch weiter, einige sogar bis Oktober. Während des Presserundgangs vergangenen Donnerstag wurden per Shuttle – Fahrerin Beate sei gegrüßt und gedankt – alle Museen angefahren, am Wochenende haben wir ein bisschen Gallery Weekend Hamburg gespielt und sind die Galerien abgelaufen. Und so konnten wir unsere 6 Highlights der 6. Triennale der Photographie für Euch zusammenstellen. Zum ersten Mal seit ihrer Gründung hat die Triennale einen künstlerischen Leiter, der dem internationalen Festival einen thematischen Überbau gegeben hat. Der Gastkurator Krzysztof Candrowicz spannt die thematische Klammer weit, wenn er auf ein Zitat aus der Bibel zurückgreift, um einen Blick in die Zukunft der Fotografie zu werfen. Verheißungsvoll flackern die Worte The Day will come über den Hauptausstellungen der Triennale. When Water matters, ergänzt etwa das Bucerius Kunst Forum, der Kunstverein When Photography revises und die Hamburger Kunsthalle When there is Hope. Befragt wird …

Clemens_Meyer

Realness ist anderswo. Clemens Meyers Poetikvorlesung in Frankfurt

Ein Teenager kauft auf dem Flohmarkt in Leipzig kurz nach der Wende ein paar alte VHS-Kassetten, darunter: John Carpenters “Assault on Precinct 13” und ein Softporno: “Die Stoßburg.” Dann kauft er Beate Zschäpe noch einen Stapel alter Comics ab. Nachts, nachdem er als Komparse bei Wagners Lohengrin auf der Bühne stand, findet er an der Straßenecke einen alten Fernseher und nimmt ihn mit, um sich die Kassetten anzusehen. Vielleicht ist der Teenager Clemens Meyer, jedenfalls sind diese Ereignisse für den Schriftsteller Rohstoff. Davon erzählt Meyer in der Frankfurter Poetikvorlesung, “Der Untergang der Äkschn GmbH.” Der Textarbeiter Clemens Meyer wird gerne wegen seiner Authentizität gerühmt, zum Beispiel von Florian Kessler. Der schrieb Anfang 2014 einen Kommentar über  das Authentizitätsproblem der deutschen Gegenwartsprosa. Die Schreibschulen in Leipzig und Hildesheim bringen nichts hervor als biedere, schön geschriebene Prosa von Arztsöhnen und Professorentöchtern, so der Vorwurf. Die Jungautoren aus dem Bürgertum, ihre Nabelschau und ihre Versuche, sich auf dem Markt zu positionieren seien weit weg vom echten Leben. Oder anders gesagt: Das echte Leben spielt da, wo die Mittelschicht gerade nicht …

Pflanzen, Beine und Visionen. Hashtagprojekte auf Instagram & Co

Über Sinn und Unsinn von Hashtags wird gern diskutiert. Puristen und Nichteingeweihte lehnen Hashtags auf Instagram konsequent ab oder begnügen sich wortkarg mit einem Hashtag, das zumindest den Standort anzeigt – besonders beliebt bei Berlinern. #berlin dann bitte klein geschrieben. Man kann sich aber auch, so unter #Pros, unter #Fotos komplett in #Hashtags mitteilen. #Fetzt. Am Wochenende wird unter einem #legfie aus dem Bett schon einmal kommuniziert, wie die Lage ist: #Ichtrotzdemhoch. #Yolo. Das Social-Media-Team der gerade auf Instagram angekommenen Bundeskanzlerin nimmt sich ein Beispiel an diesen Hashtagkaskaden. Man kommt in den Genuss so schöner Sätze wie: „In einer Wasserfläche spiegelt sich der #Konferenzsaal, vor dem #Bundeskanzlerin Angela Merkel während des #G7-Gipfels zur #Begrüßung der #Outreach-Gäste geht.“ Die nächste Stufe ist vermutlich ein Haiku aus Hashtags. Sinnvoll lassen sich Hashtags, was allseits bekannt ist, als Verschlagwortungssystem verwenden, so dass Beiträge auf den diversen Social-Media-Kanälen thematisch gebündelt, von allen eingesehen und verfolgt werden können. Möchte man seine Follower animieren, eigene Beiträge etwa zu einer Ausstellung oder einem kleinen Contest beizusteuern, bieten sich Hashtagprojekte dafür an. Instagram selbst …