Monate: März 2014

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Alles so schön echt hier. Dietmar Dath und Swantje Karichs „Lichtmächte“

1944 schrieb der amerikanische Filmkritiker Parker Tyler, das Licht habe die Nacht erobert. Der moderne Großstadtbewohner lebt nach Einbruch der Dunkelheit im Wachzustand weiter, nur ohne die Last der Lohnarbeit. Hollywood, das damals noch als pars pro toto für das Kino an sich stand, macht den Tagtraum des Fließbandarbeiter für alle nach Feierabend verfügbar. Das Kino ist darauf angewiesen, dass man ihm eine einfache Geschichte abnimmt: Am Abend gibt es für den Preis einer Eintrittskarte den Traum und die individuellste Wunscherfüllung zu kaufen. Aber auch das Kino, so Tyler, wo der Traum sich nach der Logik der klassischen Hollywood-Erzählung zu richten hat, wo die konventionellsten Emotionen verkauft werden, arbeitet doch nur mit Licht und Schatten. Wenn man Tylers These verkürzen will, kann man sagen: Wer das Licht hat, hat die Macht über den kollektiven Tagtraum. Damals musste man noch ins Kino gehen, um einen Hollywoodfilm zu sehen, Underground-Kino bekam man wahrscheinlich gar nicht zu sehen, außer man lebte in einem der kulturellen Zentren der USA. Heute ist es überhaupt nicht mehr nötig, an einen bestimmten …

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Fass mich nicht an: Abenteuerspielplatz und Wohnlandschaft. Rehberger in Frankfurt

Am meisten Spaß mit der Ausstellung „Home and Away and Outside“ von Tobias Rehberger haben wohl die Museumsaufsichten. In den Räumen der Schirn Kunsthalle in Frankfurt nebenan: „Esprit Montmartre. Die Bohème in Paris um 1900“, rote Wände, das Licht gedimmt, der Besucherstrom schiebt sich rechts und links an den Gemälden vorbei, an den Picassos, van Goghs, Toulouse-Lautrecs, Stille, bewunderndes Schweigen. Bei Rehberger grelles Licht, die Wände und der Boden sehen aus, als würde eine Horde Zebras wild durcheinander laufen und dabei ständig übereinander stolpern, an fast jeder Wand ein oder mehrere Spiegel, in der Mitte des Raumes Bänke und Skulpturen. Vielleicht doch erst einmal in den nächsten Raum schauen? Es wird noch heller, noch greller. An den Wänden statt Gemälden, wie auf Fensterbänken platziert, reihenweise Blumen in Vasen. An der hinteren Wand hängt der „M.J. Timer“, davor stehen ein Tisch und Stühle in Kindergröße. Alice im Wunderland-Feeling kommt auf. Ich frage meine Begleitung, wie die Michael Jackson Uhr funktioniert. Er zuckt mit den Achseln. Von hinten nähert sich eine Museumsaufsicht. 12 Köpfe von Michael Jackson …