Monate: Februar 2014

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Zeigt her eure Daten. Kunstexperiment Datenmarkt

Für 20 Posts, 8 Likes, 5 Fotos und 5 Nachrichten bekommen wir an der Kasse 2 x Milch, 1 Frucht-Cocktail, 1 x Toast und 1 Packung Knödel. Um zu bezahlen, müssen wir uns an der Kasse via dem uns gereichten iPad in unser Facebook-Profil einloggen und den Zugriff auf unsere Daten gestatten. Als Kundenbeleg erhalten wir unsere Facebook-Posts, Likes, Fotos und Nachrichten gedruckt auf einen Kassenbon samt dem freundlichen Hinweis, dass alle Facebookdaten wieder gelöscht werden – es werden jeweils die aktuellsten Posts, Likes, Fotos und Nachrichten von der Anwendung geladen. Nur: „Wir speichern Deine Facebook ID, Namen und Vornamen, um Dich bei erneutem Kauf zu identifizieren.“ Man dankt für unseren Einkauf. Der Kassierer weist uns noch darauf hin, dass wir gerne wieder kommen dürfen, allerdings darf jeder Kunde jedes Produkt nur 1 x erwerben. So oder so ähnlich sähe sicherlich eine Szene mit Marty McFly an einer Supermarktkasse im Jahr 2020 aus. Auf den IV Teil von Zurück in die Zukunft muss dieser Tage in Hamburg niemand warten. In der Modeboutique Anita Hass in …

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Von Pixeln und Märtyrern. Harun Farocki und Robert Wilson in Paris

In einer schmalen Straße im Osten von Paris liegt, einigermaßen unscheinbar, die Galerie Thaddaeus Ropac. Am Empfangstisch vorbei kommt man im Erdgeschoss in einen abgedunkelten Raum, in dem vier Leinwände von der Decke hängen. Vor jeder Leinwand eine Bank, über jeder Bank ein Lautsprecher, aus dem eine nur für den jeweiligen Zuschauer hörbare Stimme das Geschehen auf der Leinwand kommentiert. Im Dunkeln und von Leinwänden umgeben, könnte man meinen, in eine zeitgenössische Variation der Panoramen des 19. Jahrhunderts geraten zu sein. Aber man hat es hier doch nicht mit der Illusion einer vollständigen Welt zu tun. Statt von einer bemalten Leinwand hat man hier vier Filme von Harun Farocki („Parallele I-IV“) vor sich. Oder genauer: viermal Ausschnitte aus Videospielen und Computeranimationen von Landschaften, Wasser und Wolken.  Auf den ersten Blick scheint es, als habe Farocki sein Material so vorgefunden, wie er es mit nur sparsamen Kommentar versehen zeigt. Aber die Ausschnitte sind doch genau komponiert. „Parallele I“ leistet, was im Film klassischerweise ein establishing shot macht. Die Welt der Handlung, sozusagen der Ort der Erzählung wird abgesteckt. …